Höfen-Prozess

von Redaktion

Von Dominik Göttler

München – Es ist ein Satz, den Jakub G. immer wieder wiederholt. „Robert P. hat befohlen.“ Er habe befohlen, dass Jakub G. mit in das Haus in Höfen einsteige. Er habe befohlen, dass er die 76-jährige Hausbesitzerin niederschlagen solle. Er habe befohlen, den Safe ins Auto zu tragen, die Kleidung loszuwerden, das Geld aufzuteilen. Er habe befohlen, befohlen, befohlen. Und Jakub G. habe die Befehle ausgeführt. Aus Angst, wie er sagt.

Jakub G. ist bislang der einzige der vier Angeklagten im Prozess um den mutmaßlichen Doppelmord von Höfen (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen), der sich zur Tat äußert. Mehrere Stunden lang beschreibt er dem Richter, wie sich das Trio nach dem Hinweis der ehemaligen Pflegerin vorbereitete, das Haus ausspähte und schließlich am 22. Februar einbrach. Am Ende sterben zwei Menschen, die Hausbesitzerin überlebt schwer verletzt. Und Jakub G. sitzt mit der Ex-Pflegerin, deren Bruder und Sohn auf der Anklagebank. Der Vorwurf: Mord.

Dass die Suche nach dem Gold, dem Schmuck und dem Bargeld, von dem Robert P.s Schwester erzählt habe, so eskalierte, habe allein deren Bruder zu verantworten. Das ist die Linie, die der Angeklagte Jakub G. in seiner Aussage vorgibt. Er sei lediglich als Fahrer eingeplant gewesen, beteuert er. Erst als sich vor Ort herausgestellt habe, dass die Seniorin nicht allein war, habe P. ihn genötigt, mit in das Haus einzusteigen und ihm und dessen Neffen beim Überwältigen der drei Personen zu helfen. „Ich wollte da nicht reingehen und unschuldige Menschen quälen“, sagt Jakub G. Getan hat er es dann aber doch. P. habe ihn bedroht. „Er war wie besessen“, sagt Jakub G. Alle drei hatten vor der Tat Amphetamine eingeschmissen, um sich aufzuputschen. „Er hat gedroht mich zu schlagen, wenn ich jetzt absage. Er werde mich überall finden, er wisse, wo ich wohne, wo ich arbeite und wo meine Verlobte mit den Kindern wohnt.“

Jakub G. stellt seinen Komplizen P. als denjenigen dar, der die Opfer am heftigsten malträtiert habe. Er selbst habe zuerst vor dem Schlafzimmer gewartet, in das seine Mitstreiter eingedrungen waren. Nach einem kurzen Schrei habe er stumpfe Schläge gehört, „bis es still wurde“. Im anderen Schlafzimmer habe er schließlich auf P.s Anweisung hin selbst zwei- bis viermal auf die Hausbesitzerin eingeschlagen – die Schläge seien jedoch von seinen dicken Winterhandschuhen abgefedert worden, sodass P. schließlich selbst zugeschlagen und getreten habe, bis das Gesicht der Frau vor lauter Blut nicht mehr zu sehen gewesen sei.

Robert P. folgt der Aussage lange ohne Kommentar. Er macht sich Notizen, schüttelt immer wieder den Kopf. Doch irgendwann hält er es nicht mehr aus, dreht sich um und faucht seinen damaligen Komplizen auf Polnisch an. Die Dolmetscherin übersetzt seinen Zwischenruf mit: „Du lügst so sehr, dass du selber durcheinander kommst.“ Er könne den Blödsinn nicht mehr hören.

Jakub G. berichtet, in der Haftanstalt sei ihm von einem polnischen Mithäftling eine Nachricht überbracht worden: Er solle schweigen, sonst drohe ihm der Tod. Im Verlauf seiner Aussage wird zudem deutlich, dass das Trio offenbar über einen weiteren Einbruch nachdachte. G. berichtet, dass sie kurz vor der Tat in Höfen schon einen Juwelier in Geretsried ausgespäht und nach Kameras abgesucht hätten. Angeblich habe G. danach aber gesagt, dass er damit nichts zu tun haben wolle, was zum Streit unter den Angeklagten geführt haben soll.

Der Prozess dauert an, mit einem Urteil ist frühestens im September zu rechnen.

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