München – Asylgipfeln und Regierungskrisen zum Trotz: Bildungspolitik soll Thema im Landtagswahlkampf sein. „Wir lassen nicht locker“, sagte Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands. „Die Menschen wollen auch dieses Thema diskutieren.“ Und da Geld ein besonders zugkräftiger Diskussionsanreiz ist, hat der Pädagogenverband kalkuliert, was der Freistaat binnen zehn Jahren in sein Bildungssystem investieren müsse, um besser auf die individuellen Bedürfnisse der Schüler eingehen zu können.
Um gut 1,5 Milliarden Euro, rechnet BLLV-Wissenschaftsreferent Wolfram Schneider auf gut 200 statistikschwangeren Seiten vor, müsste der Bildungshaushalt jährlich wachsen, um die aus Verbandssicht nötigen Reformen anzustoßen. 2017 gab der Freistaat dafür 18,7 Milliarden Euro aus, rund zwölf Prozent des Gesamthaushalts. Zehn Handlungsfelder benennt der BLLV konkret, darunter Inklusion, Integration oder Digitalisierung, aber auch die frühkindliche Förderung oder den Erhalt der wohnortnahen Schule. Besonders gewünscht: Mehr Personal für mehr individuelle Förderung. Über das kommende Jahrzehnt müssten dafür laut BLLV 11 534 neue Stellen geschaffen werden – jedes Jahr. In zehn Jahren sind es also 115 340. Darunter nicht nur Lehrer, sondern auch Erzieher oder Spezialisten wie Logopäden oder Sozialtherapeuten.
Dieser Mehraufwand rentiere sich, argumentiert BLLV-Experte Schneider: „Bildung ist Kapital.“ Nicht nur die Wirtschaft und die Steuerkassen profitierten langfristig von besser qualifizierten Bürgern – sondern die ganze Gesellschaft. Diese lebten auch gesünder und seien interessierter an Politik sowie sozialem Zusammenhalt.
Trotz solch rosigen Prognosen rührte sich Kritik. Dem Bayerischen Realschullehrerverband stößt das Selbstbewusstsein des Wettbewerbers sauer auf: Die Modellrechnungen seien bei manchen Posten „sehr aus der Luft gegriffen und stellen das erfolgreiche bayerische Schulsystem unnötig infrage“. Die Arbeitsgemeinschaft der Bayerischen Lehrerverbände, traditionell Gegenspieler des BLLV, sprach von „überzogenen Forderungen und unseriösen Zahlenspielen“. Und auch das Kultusministerium erklärte, der Verband gehe teils von falschen Annahmen aus.
Die BLLV-Präsidentin ficht das nicht an. Die 200-seitige Analyse basiere auf harten Fakten und zeichne eine Programmatik für die nächsten Jahre vor. Fleischmann sagt: „Wir haben einen Masterplan.“