Tödliche Schüsse in Kneipe: Angeklagter mit Gedächtnislücke

von Redaktion

Traunstein – Im Prozess um tödliche Schüsse auf Gäste einer Kneipe in Traunreut (Landkreis Traunstein) hat der Angeklagte Gedächtnislücken geltend gemacht. Zum Auftakt der Verhandlung am Dienstag vor dem Landgericht Traunstein erläuterte der Verteidiger des Mannes, sein Mandant könne sich nicht an die Zeit der Tat erinnern. Er vermute, dass man ihm K.o.-Tropfen ins Bier gemischt habe. Der mutmaßliche Schütze muss sich wegen zweifachen Mordes sowie versuchten Mordes verantworten.

Laut Anklage hatte der 63-jährige Mann am Abend des 16. September 2017 mit einem Gewehr das „Hex-Hex“ betreten und gefeuert. Danach schlug er mit der Waffe auf die Opfer ein. Zwei 31 Jahre alte Männer starben. Die damals 50 Jahre alte Wirtin und deren 28-jährige Bekannte wurden schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann alle Personen im Lokal töten wollte. Er soll die Waffe zunächst auf die Wirtin gerichtet und nach einer Fehlzündung nachgeladen haben. Das Geschoss traf die Frau in die Schulter, sie wurde zu Boden geschleudert. Auf die 28-Jährige ging der Mann los, als keine Munition mehr in der Waffe war. Laut Anklageschrift habe er mindestens viermal mit dem Gewehr auf ihren Kopf geschlagen, als sie schon am Boden lag.

Der Hintergrund für die Tat ist völlig unklar. Zuvor hatte der Mann laut Staatsanwaltschaft mit der Wirtin und deren Freundin sowie einem Gast getrunken und gegessen. Dazu brachte er demnach sogar eine Brotzeit von zu Hause mit: Brot, Speck, Wurst und eine Flasche selbst gebrannten Schnaps.

Der Angeklagte ist in einer geschlossenen psychiatrischen Abteilung untergebracht. Der Vorwurf der Anklage stützt sich auf Sachverständigengutachten und Zeugenaussagen. Zudem wurde in der Wohnung des Angeklagten das Gewehr samt Munition sichergestellt.

Der Mann hatte die Waffe illegal besessen. Im Prozess gab er an, er habe sie Wochen vor der Tat an einem Fischplatz gefunden, sie mit nach Hause genommen und geputzt, weil sie ihn interessiert habe. „Von meiner Kindheit an hatte ich Umgang mit Waffen“, sagte der Mann. Er kam nach eigener Aussage 1996 aus Kasachstan nach Traunreut und arbeitete teils als Lastwagenfahrer sowie am Bau. In Kasachstan sei er jagen gegangen, in Deutschland nur angeln. Auch am Tattag habe er einen Ausflug zum Fischen vorbereitet.

Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt. Es sind fünf weitere Verhandlungstage angesetzt.  lby/kd

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