Mein Dorf – Vierkirchen

„Man kann die Zeit nicht aufhalten“

von Redaktion

Jede Woche beantwortet ein Oberbayer Fragen rund um seine Heimat. Heinz Eichinger, 68, lebt schon immer in Vierkirchen im Kreis Dachau. Die Familie ist verwurzelt: Seine Söhne (47 und 31) sind mit den Enkeln (elf und ein Jahr alt) auch am Ort. Eichinger war bei der Grenzpolizei am Münchner Flughafen und von 1996 bis 2014 Bürgermeister.

-Sie kennen Vierkirchen von Geburt an. Was hat sich verändert?

Sehr viel, aber Vierkirchen ist immer noch ein liebenswertes Dorf. Bis in die 1960er gab es keine geteerten Straßen. Mit der S-Bahn 1972 kam ein Schub. Die Nachbarorte Pasenbach und Giebing wurden eingemeindet, neue Wohnsiedlungen entstanden. Das Dorf ist von rund 1800 auf fast 5000 Einwohner gewachsen.

-Aber es hat noch ländlichen Charakter?

Ja. Es wurde der alte Ortskern, die Identität, erhalten. Aber wir haben auch ein Gewerbegebiet, und zwischen Pasenbach und Vierkirchen an der S-Bahn-Haltestelle hat sich ein modernes Zentrum entwickelt, mit Supermärkten, betreutem Wohnen, Hotel, Ärzte, Apotheke.

-Was ist sehenswert in Vierkirchen?

Unsere Pfarrkirche St. Jakobus, eine über 250 Jahre alte Barockkirche. Stolz sind wir auf ihr Hauptkunstwerk, eine Figur des berühmten Bildhauers Ignaz Günther, die Mater Dolorosa, eine lebensgroße Muttergottes.

-Gibt es noch ein Wirtshaus daneben?

Ja, den Grieserwirt, mit Metzgerei. Das ist noch eine richtige Bauernwirtschaft, aber leider hat sie nur noch sonntags und Montagmittag geöffnet. In der Nähe ist noch die ehemalige Brauereigaststätte, jetzt mit griechischem Restaurant.

-Gibt es viele Zugezogene?

Ja. Und das ist grundsätzlich gut so, fordert aber die Gemeinde. Viele wollen hier wohnen, weil wir die S-Bahn haben und eine tolle Infrastruktur. Für junge Familien ist es optimal: Von Kinderkrippe, Kindergärten über Hort und Mittagsbetreuung ist alles da. Weiterführende Schulen gibt es in Weichs und Markt Indersdorf, alles im Umkreis von fünf Kilometern.

-Gibt es etwas, das Sie vermissen?

Wenn ich an meine Jugendzeit zurückdenke, war halt alles ein bisserl gemütlicher. Es gab im Ort zwei Wirtshäuser und vier Vereine, da hat sich alles abgespielt. Inzwischen haben wir knapp 40 Vereine. Da kennt nicht mehr jeder jeden. Das vermisse ich. Und den alten Schmied in der Ortsmitte. Das war ein Treffpunkt für alle. Als Jugendliche haben wir beim Pferdebeschlagen zugeschaut und den Ratschereien zugehört. Aber man kann die Zeit nicht aufhalten. Man muss das Beste draus machen.

-Und was ist das Beste?

Wenn man Ruhe tanken mag, bietet sich ein Spaziergang auf unserem Baum- und Gehölzweg an. Eine wunderbare Strecke zum Wald. Oder einfach abends in unserem einmalig schönen Naturbad noch eine Runde schwimmen und die Seele baumeln lassen. Das ist echte Lebensqualität.

Interview: Aglaja Adam

Wollen Sie mitmachen?

Wenn auch Sie Ihr Dorf vorstellen möchten, schreiben Sie uns an redaktion@ovb.net

Artikel 1 von 11