München – Dass Julia Klöckner sofort zugesagt hat, zum Hoffest des Bauernverbands nach München zu kommen, das hat Bauernpräsident Walter Heidl auf dem Bauerntag in Wiesbaden fast verschreckt. Wie spontan, charmant und offen die Bundesagrarministerin und CDU-Vize ist, das können am Montagabend über 200 Gäste des BBV erleben. Im knallroten Kleid mischt sich die 45-Jährige unkompliziert unter die Gäste, begrüßt Bekannte und Unbekannte fröhlich und mit Handschlag. „Bayern hat uns Berliner in den vergangenen Wochen ein bisschen in Atem gehalten“, sagt Klöckner mit einem Augenzwinkern. „Jetzt ist wieder alles gut“, versucht sie, die Wogen zwischen den Unionsschwestern zu glätten. Sie sei bewusst nach München gekommen.
Klöckners Besuch in der bayerischen Landeshauptstadt – ein demonstratives Signal an die Unionsschwester. „Ich muss sagen, dass die Minister aus Bayern mit ganz viel Herzblut dieses Land in Berlin und Brüssel vertreten.“ Dabei meint sie wohl weniger Bundesinnenminister Horst Seehofer als vielmehr die anwesenden Landesminister Michaela Kaniber (Agrar) und Marcel Huber (Umwelt), die sie für deren enge Zusammenarbeit lobt. Denn Agrar und Umwelt dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. Am Stehtisch werden Unions-Interna mit dem Fraktionsvorsitzenden Thomas Kreuzer und dem früheren CSU-Vorsitzenden Erwin Huber ausgetauscht – politische Freundschaftsgeste in schwierigen Zeiten. Die Bauern ermuntert Klöckner, die Herausforderung „Digitalisierung“ anzunehmen. China wolle Weltkompetenzzentrum für digitalisierte Landwirtschaft werden. Statt einem romantisierenden Blick auf die Landwirtschaft nachzuhängen, solle man besser die Zukunft in den Blick nehmen. Die neue Technik könne helfen, Tierhaltung zu optimieren und Pflanzenschutzmittel passgenau einzubringen. Was ihre bayerische Kollegin Kaniber damit pariert, dass Bayern 5,5 Milliarden Euro in die Digitalisierung der Landwirtschaft stecken werde. Laptop und Lederhose: Das Motto passe auch künftig.
Gastgeber Walter Heidl weist auf die schwierige öffentliche Diskussion, der die Landwirtschaft ausgesetzt sei – bei der Tierhaltung ebenso wie beim Pflanzenschutz. Höhere Anforderungen an die Landwirte bei weniger Geld – „das passt überhaupt nicht ins Konzept“, sagt Heidl. Genug Themen zur Diskussion am lauen Sommerabend.