Starnberg – Nach 40 Jahren Diskussion und Vorplanungen soll der 1,9 Kilometer lange Tunnel in Starnberg gebaut werden. Er kostet 200 Millionen Euro, die zu 95 Prozent der Bund bezahlt. Zum Feiern war beim Spatenstich am Freitagnachmittag aber nur einem Teil der Bürger zumute. Der andere Teil protestierte mit einem 90-minütigen Pfeifkonzert gegen den Bau sowie gegen die verantwortlichen Verkehrsminister Andreas Scheuer und Ilse Aigner (beide CSU). „Aigner raus“, riefen mehr als 300 Tunnel-Gegner, als die Ministerin ans Rednerpult trat. Und „Wahlverrat, Wahlverrat.“ Auf Plakaten stand „Noch mehr Autos? Nein danke!“ oder „Verkehr raus aus der Stadt“.
So viel Protest sei selten, wunderte sich Scheuer. „Es ist nicht alltäglich, in einen Ort zu kommen, in dem man 200 Millionen Euro Steuergeld investiert, und wird dafür ausgepfiffen“, sagte er und forderte die Gegner auf, die demokratisch getroffene Entscheidung für den Tunnel zu akzeptieren. „Wir bauen nicht nur einen Tunnel, wir reichen auch die Hand, um eine Brücke zu bauen“, sagte er. Die Belastung der Starnberger Innenstadt mit täglich 36 000 Fahrzeugen liege deutlich über dem Durchschnitt ähnlicher Straßen. „Wir haben das gemeinsame Ziel, dass Starnberg vom Verkehr entlastet wird“, sagte Ilse Aigner. Für Überraschung sorgte Starnbergs Bürgermeisterin Eva John. Die überzeugte Tunnelgegnerin hatte es zunächst abgelehnt, ein Grußwort zu sprechen, am Freitagmorgen dann aber kurzfristig zugesagt. „Ich sehe Menschen, die sehr glücklich sind“, sagte sie. „Und ich sehe Menschen, die mit diesem Prozess hadern.“ Alle seien Bürger dieser Stadt. Den lautstarken Protest bezeichnete sie als legitim, gleichwohl müssten alle mit den getroffenen Beschlüssen umgehen. „Wir wissen unsere Verantwortung zu tragen.“ Beim Bauamt Weilheim sei das Projekt in guten Händen.
Am Montag werden nun die Bauarbeiter loslegen. Mit den Tunnelarbeiten selbst wird voraussichtlich erst im Jahr 2021 begonnen. Das inklusive Rampen 2180 Meter lange Bauwerk wird zum größten Teil bergmännisch mithilfe einer Tunnelbohrmaschine gebaut. Eröffnung des B 2-Tunnels soll im Jahr 2026 sein. Laut Prognose sollen dann bis zu 18 000 Fahrzeuge täglich diese Strecke nehmen. Der Starnberger Pfarrer Stefan Koch war von der aufgeheizten Atmosphäre etwas erschüttert. „Das Gegeneinander erschreckt mich.“ Der Leiter der Gegendemo, Stadtrat Markus Mooser, war indes zufrieden. Es werde nicht die letzte Demo gewesen sein.