München/Kochel – Ob die neue LED-Tafel schon an diesem Wochenende zum Einsatz kommen wird, da ist sich der Bürgermeister von Kochel, Thomas Holz, gar nicht sicher. Schließlich wird das Wetter eher mäßig, der Ansturm der Städter könnte diesmal ausfallen. Aber das Problem ist unbestritten da: Sobald im Radio und auf den Navis der fast schon obligatorische Wochenende-Stau auf der Garmischer Autobahn A 95 bei Eschenlohe angekündigt wird, weichen kundige Autofahrer auf dem Weg Richtung Süden gerne aus: Sie biegen spätestens bei der Ausfahrt Kochel/Murnau ab und suchen sich eine Ausweichroute über den Kesselberg und Walchensee weiter Richtung Mittenwald. Die Anwohner haben nichts davon – außer Lärm, Abgase und verstopfte Straßen. Samstag für Samstag und Sonntag für Sonntag ist das so, sagt Holz. „Letztes Wochenende hat man für die vier Kilometer von Schlehdorf nach Kochel eine Dreiviertelstunde gebraucht.“
Jetzt wird versucht, die Autofahrer auf der Autobahn zu halten. Ab 10 Uhr soll künftig bei Bedarf eine LED-Tafel die Ausflügler davor warnen, ihren Schleichweg über den Walchensee zu nehmen. Die Verkehrswarnung wird auf die Navis übertragen, der Walchensee als Ausweichroute dann nicht mehr angezeigt. Der „Verkehrsversuch“, so das Staatliche Bauamt Weilheim, wurde mit Polizei und Autobahndirektion abgestimmt.
Der Walchensee ist besonders betroffen, weil es gleichzeitig viele Ausflügler gibt, die hier baden wollen. Die 800 bis 900 Parkplätze am Südufer, sagt der Jachenauer Bürgermeister Georg Riesch, seien da schnell voll. Dann beginnt der lästige Park-Such-Verkehr, der im Notfall für Krankenwagen oder Feuerwehr zum Problem wird. „Wiederholt waren die Einsatzkräfte durch verbotenes Parken massiv behindert“, berichtet das Staatliche Bauamt. Allerdings werden durch die LED-Tafel nur die Münchner vom Besuch vom Walchensee abgehalten, nicht aber Besucher aus dem Süden. Sie gibt es auch: „Wir haben am Wochenende immer viele Österreicher hier, das sieht man an den Nummernschildern von Innsbruck-Land“, berichtet Riesch.
Das Problem verstopfter Straßen gibt es natürlich nicht nur am Walchensee. Chronische Nadelöhre sind zum Beispiel die B 318 nach Tegernsee, die oft schon ab Warngau Staufalle ist, oder die B 307 Richtung Schliersee ab Miesbach. Verbieten kann man den Münchnern ihren Freizeitausflug allerdings nicht und anders als bei der Garmischer Autobahn gibt es auch keine Ausweichroute.
Bei einem anderen notorischen Engpass wird bald nachgebessert. Der von der Brauneck-Bergbahn zurückflutende Verkehr hatte schon in Lenggries stets das Problem, dass er an der Einmündung der Straße aus Wegscheid gestoppt wurde. Hier wird ab September ein Kreisel gebaut – wichtig vor allem im Winter, wenn das Brauneck wieder zu des Münchners beliebtestem Skiberg wird.
Das Problem mit den Münchner Ausflüglern kennt man nicht nur im Oberland – sondern auch in der Nachbarschaft: Beispiel Langwieder See an der Stuttgarter Autobahn A 8. Der See ist so beliebt, dass die Parkplätze schnell voll sind. Dann sperrt die Polizei die Autobahnausfahrt. Das geschah schon mehrmals in diesem Jahr. „Die Pylonen stehen immer bereit, das geht ganz schnell“, sagt ein Sprecher der Verkehrspolizei.