Nach der Reform ist vor der Reform – da hat der MVV-Chef Recht. Eine MVV-Reform ohne Verlierer wird es nie geben, und es gibt immer etwas zu verbessern. Dennoch spricht viel dafür, die Reform erst einmal wirken zu lassen – und das Gesamtpaket nicht schon jetzt wieder aufzuschnüren. Man kann den Zorn der Benachteiligten verstehen. Vor allem Kurzstreckenfahrer, die von der neuen Zone 1 eigentlich nur an den Stadtrand, nach Pasing oder zum Ostbahnhof etwa, fahren wollen, haben das Nachsehen. Da wird es, wenn die Reform denn kommt, in einigen Orten heftige Pendlerbewegungen geben – auf der Suche nach dem Parkplatz in der nächstgünstigeren Tarifzone.
Aber: Die heutigen Fahrgastzahlen zugrunde gelegt, kostet die Tarifreform über 34 Millionen Euro. Schon an dieser Zahl sieht man, dass es natürlich auch viele Profiteure geben muss. Vor allem München ist der große Gewinner: Nahverkehr in der ganzen Stadt, definiert in einer M-Zone, für knapp 60 Euro im Monat – das ist attraktiv. Als Bürger in einem der MVV-Landkreise hat man davon natürlich wenig. Aber München ist auch die Stadt mit einer immensen Verkehrsbelastung, hier den öffentlichen Nahverkehr zu fördern, macht definitiv Sinn. Außerdem ist das neue System verständlicher und bietet mit dem Sozialticket auch eine wenig bekannte Neuerung. Eines sollte der MVV jedoch bedenken: Er ist ein Expertengremium, hier tagen Ministerialräte, Landräte, Bürgermeister und Verkehrsplaner im Geheimen. Diese Intransparenz führt dazu, dass immer erst hinterher Kritik aufschlägt. Fahrgastverbände und auch die Öffentlichkeit müssen künftig besser eingebunden werden. Dirk Walter