München – Viel zu tun hat Pilzberater Georg Dünzl aus München in diesem Jahr noch nicht. Das bislang schwache Schwammerljahr macht sich auch bei ihm bemerkbar. Nur vereinzelt kommen Anfragen von Pilzsammlern, die wissen wollen, ob ihre Schwammerl essbar sind. Ob sie ein genießbares Stockschwämmchen oder den stark giftigen Gifthäubling von ihrer Tour mitgebracht haben. „Bislang ist es ein äußerst maues Jahr“, sagt der 64-Jährige. Auch wenn an einigen Tagen ein paar Steinpilze und Pfifferlinge in den Körben der Schwammerlsammler gelandet sind.
Schuld an der Flaute ist der Super-Sommer. Lange Trockenperioden und Temperaturen über 25 Grad mögen Pilze überhaupt nicht. „Dann stellen sie das Wachstum ein“, erklärt Dünzl. Da hilft auch kein verregnetes Wochenende. Die Pilze sind in der Wassernahrungskette im Wald hinter den Bäumen nur auf Platz zwei. „Unsere Schwammerl stehen häufig in einer symbiotischen Beziehung mit den Waldbäumen“, sagt Dünzl. Nach längeren Trockenphasen trinken die Bäume dann erst mal selbst, bevor die Pilze an der Reihe sind. Das kann schon mal acht bis 14 Tage dauern.
Bayerns Pilzesammler müssen sich also noch etwas gedulden. Denn die nächste Hitzewelle hat gerade erst begonnen. Einzig in den bayerischen Alpen, wo es kühler und feuchter ist, könnten schon jetzt einige Schwammerl sprießen. Doch Georg Dünzl betont: Eine Fahrt von München nach Garmisch-Partenkirchen lohnt trotzdem nicht. Denn üppig sei die Ausbeute auch dort nicht.
Der pensionierte Zahnarzt ist selbst fast jeden Tag in den Wäldern rund um München unterwegs. Von den wenigen Schwmmerln, die er dort sieht, lässt er aber die Finger. „Ich fotografiere sie und freue mich über den Anblick.“ Dünzl warnt sogar davor, aktuell Speisepilze mit nach Hause zu nehmen. Die seien oft ausgetrocknet und folglich sehr unbekömmlich. „Trotzdem sind einige Sammler völlig unbekümmert und nehmen auch verdorbene Pilze mit“, berichtet der Pilzberater. Bei Obst im Supermarkt seien die Leute viel kritischer und vor allem vorsichtiger.
Die Schwammerlsaison, die eigentlich Anfang August erst so richtig losgeht, hat Georg Dünzl aber noch nicht aufgeben. „Manchmal sprießen die Pilze explosionsartig aus dem Boden.“ Nur ob und wann es soweit ist, kann er nicht einschätzen. „Vorhersagen sind so präzise wie der Wetterbericht. Aber Pilze und Wetter gehören ja auch zusammen“, sagt der 64-Jährige schmunzelnd. Ein paar Tage kräftigen Regen und Temperaturen um die 20 Grad – und schon könnten Bayerns Schwammerlsammler in den Wäldern voll auf ihre Kosten kommen.