Die Sonne übertreibt es in diesem Sommer: Das findet wohl nicht nur meine Entenfreundin Klara. „Selbst die Wiese am See ist staubtrocken“, quakte sie, als wir Enten am Ufer entlang watschelten. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich mal so sehr nach Regen sehnen würde.“ Da ging es mir ähnlich. „Schau mal da vorn, das ist ein gutes Zeichen“, schnatterte Klara plötzlich und deutete mit dem Flügel auf einen Vogel mit weißlich und dunkelgrau geflecktem Gefieder. Er watete durchs ufernahe Wasser, blieb stehen und ließ flötende Pfiffe erklingen. Es war ein traurig klingender Gesang. „Tliuih, tliuih, tliuih“, tönte es. Der Vogel war etwa so groß wie eine Zwergmöwe, knapp 30 Zentimeter. Allerdings ging er seltsam geduckt. „Das ist ein Kiebitzregenpfeifer“, quakte Klara. „Er singt sicher den Regen herbei.“ Wir watschelten näher, um den seltenen Gast zu begrüßen. Er sei nur auf der Durchreise, verriet er uns. Kiebitzregenpfeifer brüten in der arktischen Tundra. Das ist eine baumlose Steppe im kühlen Norden. Den Winter verbringen die Vögel lieber an den Küsten Mitteleuropas. „Jetzt muss ich aber weiter, hier ist es mir zu trocken“, sagte der Kiebitzregenpfeifer. „Stopp!“, quakte Klara. „Willst du nicht vorher Regen herbeiflöten?“ Der Kiebitzregenpfeifer lachte. „Das kann ich trotz meines Namens nicht.“ Da müsse sich Klara schon an die Wolken wenden. Eure Paula