„Freunde treffen, um gemeinsam ein kühles Bierchen zu trinken, jene ehren, die es brauen und servieren!“ Kann man eigentlich immer. Doch in einer kleinen Bar im kalifornischen Santa Cruz wurde 2007 die Idee geboren, am ersten Freitag im August den Internationalen Tag des Bieres zu feiern. In mehr als 200 Ländern wird der Gedanke, den 3. August richtig groß zu feiern, freudig aufgenommen. Gestern also war es wieder so weit. Dass die Biergärten aus diesem Grund brechend voll waren? Wohl kaum.
Bayern und Bier – beides gehört zusammen. Nirgendwo in Deutschland ist die Dichte der 1492 Braustätten höher: Mehr als jede dritte liegt im Freistaat. „Das Bier macht das Fleisch der Menschen fett und gibt ihrem Antlitz eine schöne Farbe durch die Kraft und den Saft des guten Getreides“: eine Empfehlung der Heiligen und Mystikerin Hildegard von Bingen. Der Arzt und Alchemist Theophrastus Philipps von Hohenheim, der sich ab 1529 nur noch Paracelsus nannte, hielt Bier sogar für eine „göttliche Medizin“.
Im Mittelalter war Bierbrauen noch eine knifflige Angelegenheit. Wurde bei der Rezeptur gepfuscht, entpuppte sich das Unterfangen als Schlag ins Wasser. Hopfen und Malz waren in der Tat verloren. Ein Trunk für arme Leute ist das flüssige Brot schon sehr, sehr lange nicht mehr. Lange vor Wiesn-Beginn am 22. September sorgt der Preis für die Mass für Diskussionen. Die teuerste soll heuer 11,50 Euro kosten.
Darauf trinken wir jetzt ein Gläschen Champagner! Denn heute ist sein Tag. Das flüssige Gold aus der Champagne wird seit den 90er-Jahren immer am 4. August weltweit gefeiert. Um kein anderes Getränk ranken sich so viele amüsante Geschichten – jede Champagnermarke hat ihre eigene. Von Dom Perignon, Mönch und Kellermeister im 17. Jahrhundert, zum Beispiel. Angeblich explodierten in seinem Keller Flaschen, weil er die Gärung nicht zu Ende gebracht hatte. Als er von dem sprudelnden Wein kostete, blickte er zum Himmel und rief: „Brüder, kommt geschwind! Ich trinke Sterne!“ Ein wunderbarer Ausspruch, finde ich.
Und natürlich ist da Barbe-Nicole Clicquot, die erste Frau, die ein Champagnerhaus leitete. 1805, sie war erst 27 Jahre alt, wurde sie Witwe und baute mit unglaublicher Durchsetzungskraft das Imperium „Veuve Clicquot“ auf. Sie gründete eine eigene Bank, kaufte jede Menge Weinberge, schickte ihre Vertreter an Europas Herrschaftshöfe. Eine beeindruckende Unternehmerin. Von Ehrgeiz geprägt eroberte sie den Weltmarkt für das flüssige Gold, das noch heute symbolisch für Luxus steht. In seiner „Frommen Helene“ spielte Wilhelm Busch humorvoll auf die wenig attraktive Geschäftsfrau an: „Wie lieb und lustig perlt die Blase der Witwe Klicko im Glase.“
Die teuersten Flaschen unserer Zeit lagerten übrigens bis kurz vor der Jahrhundertwende auf dem Meeresgrund. Sie waren für den letzten Zaren Russlands bestimmt. Doch im Jahr 1916 versenkte ein deutsches U-Boot das finnische Schiff in der Ostsee. Heute erzielt jede einzelne dieser Flaschen auf Aktionen bis zu 200 000 Euro. Champagner – das festlichste aller Getränke.
Königin Elizabeth soll übrigens jeden Tag drei Gläschen genießen, das letzte kurz vor dem Schlafengehen. Vielleicht ist ihr die Studie der renommierten Reading University in ihrem Königreich bekannt: Drei Gläschen sind die perfekte Dosierung, um den Geist jung und wach zu halten. Und ein echter „Diät-Drink“ ist Champagner mit 80 Kalorien pro Glas auch noch. Ja, ganze Bücher könnte man mit Anekdoten rund um das noble Getränk mit Perlenkranz füllen.
Hollywoodstar Bette Davis spendete es in turbulenten Zeiten Trost: „Im Leben einer Frau hilft manchmal nur eines: viel Champagner trinken“. Amüsant auch das Zitat von Coco Chanel: „Ich trinke Champagner nur bei zwei Gelegenheiten: Wenn ich verliebt bin und wenn ich es nicht bin“. Ob man sich nun heute Abend für Champagner oder doch lieber ein Gläschen Bier entscheidet: Die lauen Sommernächte auf dem Balkon oder im Garten mit Freunden sind allemal Sternstunden.
In diesem Sinn –
herzlich
Ihre Carolin