Mein Dorf – Deining

Das Tor zu den Alpen

von Redaktion

Jede Woche beantwortet ein Oberbayer Fragen rund um seine Heimat. Michael Neubauer, 45, Politikwissenschaftler, ist in Deining aufgewachsen und lebt heute mit Lebensgefährtin und zwei Kindern dort.

-Sie kennen Deining ein Leben lang. Wie hat es sich verändert?

Bisher hat Deining dem Siedlungsdruck der nahen Großstadt München standgehalten. Gebaut wurde in den letzten Jahren schon, aber mit Augenmaß, Einfamilien- und Doppelhäuser meistens im Einheimischen-Modell. Das Dorf hat seinen Charakter bislang behalten.

-Es ist also ein Bauerndorf geblieben?

Der Strukturwandel hat sich schon vollzogen, hin zu weniger Landwirtschaft. Aber wir haben Gott sei Dank noch einige Bauern und Handwerksbetriebe. Unser Dorf ist richtig hübsch, die schönen Häuser mit dem herrlichen Blumenschmuck, gerade die alten Bauernhäuser. Und der Dorfkern ist oberbayerisch-alpenländisch, mit dem magischen Dreieck aus Kirche, Maibaum und Wirtshaus. Wobei die „Deininger Post“ geschlossen ist, da sind jetzt Wohnungen drin. Es besteht schon die Gefahr, dass der Ortskern verödet.

-Gibt’s denn noch Geschäfte?

Kaum mehr. Die Raiffeisenbank hat zugemacht und der BMW-Händler ist auch nicht mehr da. Aber wir haben eine sehr gute Bäckerei, die gibt es seit 1901 und ist in fünfter Generation in Familienbesitz. Die Brezen sind himmlisch, das Brot und das Gebäck auch. Außerdem haben wir noch das Café Angerstuben.

-Warum geht der Einzelhandel verloren?

Es ist schwer, mit Supermarktketten und Discountern mitzuhalten, nicht zu vergessen das Internet. Wir haben im Umkreis von drei Kilometern drei große Supermärkte. Außerdem arbeiten viele Deininger in München oder außerhalb und erledigen vieles auf dem Weg.

-Woran liegt es, dass Deining nicht explodiert ist wie andere Dörfer in Münchens Speckgürtel?

Schon vor über 30 Jahren wurden in der Gemeinde Egling das Einheimischen-Modell und eine Ortsgestaltungssatzung eingeführt und die Dörfer behutsam entwickelt. Sicher sind auch die späte Kanalisation ein Grund, genauso wie der fehlende S-Bahnanschluss. Allerdings sehe ich jetzt in Deining erste Anzeichen ungebremsten Wachstums, was mir nicht gefällt.

-Warum leben Sie gerne in Deining?

Es gibt eine lebendige Dorfgemeinschaft, ein intaktes Vereinsleben, Kultur und gelebtes Brauchtum, Freizeitmöglichkeiten. Auch Deinings Umgebung ist landschaftlich reizvoll. Deining ist auch fast so etwas wie das Tor zu den Alpen: Wenn ich von München rausfahre und Richtung Deining komme, erstreckt sich dahinter die Alpenkette. Da geht mir das Herz auf.

-Man braucht also ein Auto?

Ja, allein schon wegen der Einkäufe. Aber auch die Busverbindung ist leider nicht optimal. Der Bus Richtung München fährt nicht zwischen 6.48 und 8.51 Uhr. Diese Lücke ist für Pendler äußerst ungünstig.

-Welche Freizeittipps haben Sie?

Schwimmen im Deininger Weiher, spazieren durchs Deininger Moos oder baden in der Isar. Man kann schön zum Kloster Schäftlarn radeln oder im Isartal wandern.

Interview: Aglaja Adam

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