Die drei von der Hauswirtschafterei

von Redaktion

von Kathrin Brack (Text) und Tobias Fuhrmann (Fotos)

Klick. Klick. Klick. Der Blitz leuchtet auf, dann legt Bettina Eder den Fotoapparat kurz zur Seite und wirft einen kritischen Blick auf den Bildschirm des Laptops. Nein, sie ist noch nicht zufrieden. Also dreht sie den Teller mit den Plätzchen ein wenig auf der alten Holzplatte, die sie auf den Küchentisch gelegt hat, rückt alles zurecht, drapiert die rosa Christbaumkugeln neu und hebt die Kamera wieder vors Gesicht. Klick. Klick. Das Bild ist im Kasten.

Es ist ein heißer Augusttag in Peiting im Kreis Weilheim-Schongau. Draußen hat es 30 Grad, drinnen fotografiert Eder, 49, Plätzchen für ein Weihnachtsheft. „Frohe Weihnacht“ wird es heißen, einen ersten Entwurf für das Cover hat die Grafikerin schon erstellt. Bettina Eder ist ein Drittel der Hauswirtschafterei. Einer Firma, die sie zusammen mit Silvia Schlögel, 49, und deren Schwester Christine Schilcher, 57, vor etwas mehr als drei Jahren gegründet hat. Seitdem haben sich die Frauen auf dem Bauernhof der Schlögels im Ortsteil Ramsau eingerichtet, inklusive Gastro-Küche und einem zum Fotostudio umfunktionierten Zimmer, in dem sie ihre Requisiten lagern und fotografieren.

„Die Hauswirtschafterei Leben auf dem Land GmbH“, so der volle Name, hat sich auf das Erstellen von Kochbüchern spezialisiert. Außerdem bietet sie Catering für Großveranstaltungen an, „ab 100 Gästen aufwärts“, in der Regel ein Dutzend pro Jahr. Auf Wunsch bringt das Trio sein eigenes Servicepersonal mit, die extra dafür gegründete „Kellnerei“. „Unser Hauptgeschäft sind aber die Kochbücher“, sagt Silvia Schlögel. Die drei Frauen treten mit dem Anspruch an, es anders zu machen als die anderen. Ihre Nische: Rezepte, für die „man nicht extra einkaufen muss und dann lauter Gewürze hat, die im Schrank vergammeln“. Gerichte, die man einfach nachkochen kann, ohne viel Schnickschnack.

Die Geschichte der Hauswirtschafterei beginnt mit Käsekuchen: Die Landfrauen im Kreis Weilheim-Schongau, dessen Kreisbäuerin Schlögel damals ist, organisieren den „Milchfrühling“. Zur zweiten Auflage 2011 gibt es einen Backwettbewerb, Käsekuchenrezepte sollen die Leute einreichen, die besten veröffentlichen die Landfrauen zusammen mit dem Deutschen Landwirtschaftsverlag (DLV) unter dem Titel „Alle lieben Käsekuchen“. Das Buch wird ein Erfolg, genauso wie die Nachfolger der Reihe. Gerade ist die neueste Ausgabe erschienen, „Alle lieben Kartoffeln“. Es ist Buch Nummer 31.

Am Anfang arbeiten die Frauen nur mit dem DLV, inzwischen sind sie für unterschiedliche Verlage tätig. „Wir haben gemerkt, dass bei Buchprojekten viele mitreden“, sagt Silvia Schlögel. „Aber wir wollten uns austoben – und waren der Meinung, dass wir das alles auch selbst machen können.“ Mit dem DLV machen sie einen Deal, als sie die Reihe „Alle lieben…“ übernehmen. „Pro verkauftem Buch wird ein Euro gespendet“, sagt Schlögel. Bis heute sind so 130 000 Euro für die Dorfhelferinnen zusammengekommen.

Vier Bücher haben die Frauen als Hauswirtschafterei herausgebracht, „Peiting backt“, „Bayerisch Kochen für Freunde“, „Bayerisch Veggie“ und ein „Bayerisch Super Food“-Buch. Ihre eigenen Bücher legen sie im Eigenverlag auf, kümmern sich vom Entwickeln der Rezepte bis zum Vertrieb um alles selbst. Gedruckt wird in einer oberbayerischen Druckerei.

„Für die übrigen Projekte bekommen wir Aufträge von Verlagen“, sagt Schlögel. Sie arbeiten dabei nicht nur antizyklisch – etwa beim Plätzchenbacken im Sommer – oder wie beim Spargel mit einem Jahr Vorlauf, sondern auch meistens parallel. Da ist gute Organisation gefragt. „Aber dafür haben wir ja die Christine“, sagt Bettina Eder.

Während sich Eder um die Fotos, die Grafik und den Blog kümmert und Schlögel die kreative Köchin hinter den Rezepten ist und die Werbetrommel rührt, ist Christine Schilcher der Kopf des Trios. Sie schreibt die Rezepte ins Reine, behält die Projekte im Blick und hat die Buchhaltung im Griff. Für die gelernte Hotelfachfrau die perfekte Aufgabe: „Ich empfind’s nicht als anstrengend“, sagt sie. „Listen machen, Strukturen schaffen und alles Kaufmännische – das alles liegt mir.“ Eine muss schließlich den Überblick behalten. Dieses Jahr waren die Frauen mit vier Projekten parallel beschäftigt. Das nächste steht schon in den Startlöchern: Für den DK-Verlag sollen sie eine „Grüne bayerische Küche“ erfinden.

Dafür geht Silvia Schlögel am liebsten in den Stall. „Da hab ich den Kopf frei. Ich brauch die Stallarbeit für die Ideen.“ Schließlich sind die Rezepte allesamt Eigenkreationen. „Klar, wir können das Rad nicht neu erfinden“, sagt Bettina Eder. „Aber du kannst dir überlegen, wie man zum Beispiel ein bekanntes Gericht anders machen kann.“ Als sich die drei an die „Küche des kühlen Nordens“ machen, brauchen sie eine Idee, wie man Labskaus schmackhaft und schön präsentieren kann. „Die Standardvariante fanden wir nicht so ansehnlich. Also haben wir einen Burger draus gemacht.“

An zwei Dinge halten sie sich konsequent, bei Büchern und Catering-Aufträgen: Regional und saisonal soll es sein. „Pfeffer kommt halt nicht aus der Region, und auf manchen Kuchen hast auch amal a Ananas, so ehrlich muss man sein“, sagt Silvia Schlögel. Aber wo es geht, greifen die Frauen zur regionalen Variante.

So kommen im „Superfood“ auch nicht Gojibeeren und Chiasamen zum Einsatz, „sondern die regionale Entsprechung. Also heimische Beeren und Leinsamen“. Auch mit alten Getreiden wie Emmer arbeiten die Frauen gern. „Man holt alles von weiß Gott wo, dabei sind wir hier doch komplett versorgt.“

Saisonales Kochen, also Zutaten dann zu verwenden, wenn es sie natürlicherweise gibt, ist vor allem beim Catering ihr Credo. „Wir machen im Winter nicht Tomate-Mozzarella“, sagt Schlögel entschieden. Stattdessen bieten sie Antipasti vom Wurzelgemüse an. „Bis jetzt konnten wir damit noch jeden überzeugen.

Überzeugungsarbeit leisten, das kennt Silvia Schlögel noch aus ihrer Zeit als Kreisbäuerin. „Ich war ziemlich präsent in den Medien, aber für mich war immer klar, dass das notwendig für die Sache ist“, sagt sie. Heute taucht sie nur noch selten in der Lokalzeitung auf – „und mir fehlt nichts“. Für ihren eigenen Betrieb rührt sich trotzdem gern die Werbetrommel. Dafür nutzen die Frauen sämtliche Kanäle, auch Facebook und Instagram.

Der Bestseller der Hauswirtschafterei ist übrigens „Bayerisch Veggie“. Als sich die Frauen an die Rezepte machen, schwebt über allem die Frage: Wie machen wir aus vegetarischen Produkten etwas, das auch Fleischessern schmeckt? Denn „öko“ soll das Buch nicht werden. Die Idee bringt Eder in die Runde, Schlögel sagt heute: „Ich war skeptisch. Meinem Mann hab ich bis zum Erscheinen nichts davon erzählt.“ Am Ende stellt sich heraus, dass gerade die Kollegen aus der Landwirtschaft, deren hartes Urteil die Landwirtin fürchtete, begeistert sind von den vegetarischen Gerichten, die ohne Tofu oder anderen Fleischersatz auskommen.

Übrigens kommen die Frauen auch bei ihren Fotos ohne technische Hilfsmittel aus. „Da wird nichts eingesprüht oder sonst wie aufgehübscht“, sagt Bettina Eder. „Danach muss man alles noch essen können.“ Und das machen sie dann auch: Als alle Fotos im Kasten sind, gibt’s Plätzchen zum Kaffee. Und das mitten im August.

Die Hauswirtschafterei

Die Kochbücher der Hauswirtschafterei und aus der Serie „Alle lieben…“ gibt es unter www.diehauswirtschafterei.de sowie im Heimatshop unserer Zeitung. Auf Instagram zeigen die Frauen Fotos der Kreationen: @die_hauswirtschafterei.

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