HeimatKolumne

von Redaktion

Einer meiner Freunde gelangte einstmals in einen Gasthof in Ilmmünster bei Pfaffenhofen und war bass erstaunt, als sich mehrere der älteren Männer mit dem Kosenamen „Schatz“ oder „Schatzi“ anredeten! Da es sich in dieser Bauernwirtschaft, wie er analytisch feststellte, schwerlich um ein Schwulenlokal handeln konnte, nahm er sich ein Herz und fragte nach der Ursache solch vertraulicher Rede. Das Geheimnis war rasch gelüftet.

Alle dieser so Angesprochenen hießen mit vollem Vornamen „Arsatius“, so wie der namensgebende Heilige der benachbarten Kirche – und „Schatz“ war nur dessen bajuwarische Verkürzung! Eine Verballhornung, die man durchaus auch ungehalten oder beleidigend aussprechen konnte, wie unser Feldforscher im Laufe des Abends feststellen konnte.

So wie den „Schatzis“ von Ilmmünster geht es nicht wenigen Menschen in Altbayern. Im Schatten von gotischen oder barocken Kirchen und ihrer Patrozinien haben auch die seltsamsten und deshalb nahezu ausgestorbenen Namen wie in einem Reservat überlebt. Ägidis gibt es da und Canisis, Sebaldusse und Vitalisse, Afras und Edignas.

Da der Bayer komplizierte Laute noch nie leiden konnte, schliff er sie sich zurecht, aus dem Eustachius wurde ein Stachus, aus dem Korbinian ein Kurwe, aus dem Konrad ein Kone, aus dem Kastulus ein Kastl, aus der Notburga eine Burgl, aus der Creszentia eine Zenzl, aus der Gertrudis eine Trudl, aus der Kunigunde ein Gundl und aus der Notburga eine Burgl.

Dass man im alten Bayern auch politisch korrekt Nazi und Stasi heißen durfte, rührt von diesem Umstand, stammen diese Abbreviaturen schlichtweg von den ehrwürdigen Vornamen Ignatius und Anastasia!

Freilich, einige Namen waren so schlicht, dass sie ungekürzt auf ihre Träger niederkamen: Alto von Altomünster zum Beispiel oder Benno von Meißen, der in Freising als Diözesanpatron verehrt wird. Da die moderne Zeit ja nach neuen, unverbrauchten Namen lechzt, erlaube ich mir abschließend einen Blick in die hagiografische Mottenkiste und biete allen jungen, hippen Eltern als Namenspatrone an: Sturmio von Fulda, Narcissus und Wikterp von Augsburg, Wunibald von Heidenheim, Tuto von Regensburg, Hademunde von Ebersberg und Ansologus von Salzburg. Nur zu, jetzt müssen’s nur noch dazu passende Kosenamen für ihre Sprösslinge finden! Und einen Standesbeamten, der bei all dem mitmacht…

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