Jede Woche beantwortet ein Oberbayer Fragen rund um seine Heimat. Christian Mayr lebt mit seiner Frau und mit seinem Bruder und dessen Familie in seinem Elternhaus in Herrsching am Ammersee (Kreis Starnberg). Der pensionierte Lehrer, 69, zwei Töchter und zwei Enkelsöhne, liebt seinen Ort.
Schön, am Ammersee zu wohnen, oder?
Ja, unbezahlbar schön. Unsere Seepromenade, die Berge im Süden und die herrliche Natur Richtung Andechs – besser geht es nicht.
Heißt unbezahlbar schön auch wirklich teuer?
Die Immobilienpreise sind extrem gestiegen. Und auch die Gastronomie langt kräftig hin. Einen günstigen Schweinsbraten zu finden, ist nicht einfach.
Die Touristen zahlen die Preise aber…
Ja, aber ich würde mir wünschen, dass Herrsching auch für Einheimische, besonders für junge Familien, bezahlbar bleibt.
Nerven die vielen Ausflügler manchmal?
Nein. Sie gehören dazu. Jetzt zur Wiesn quartieren sich viele hier ein. Sie erleben die schöne Natur Oberbayerns und sind mit der S-Bahn gleich beim Oktoberfest. Wir haben eine hervorragende Infrastruktur, das zieht die Menschen an.
Wie entkommt man ihnen als Einheimischer?
Am Wochenende gehen wir nicht an den See. Wir machen lieber Radtouren ins Hinterland. Wer ein Boot hat, findet Ruhe auf dem See. Und wir genießen die Abende, wenn die Ausflügler wieder nach Hause fahren. Auf der Uferpromenade genießen wir den Sonnenuntergang. Es gibt nichts Schöneres.
Klingt nach einem Geheimtipp. Haben Sie noch einen?
Na ja, den kennen viele: Mit der S-Bahn nach Herrsching und dann zum Kloster Andechs hochwandern.
Ein beschauliches Dorf ist Herrsching nicht mehr?
Herrsching hat sich vom Bauerndorf zu einer modernen Großgemeinde gewandelt. Seit meiner Kindheit hat sich die Einwohnerzahl auf 12 000 verdoppelt. Es wird extrem verdichtet. Kommt ein altes Haus weg, wird dort mindestens ein Dreispanner gebaut. Alte Häuser wie unsere Jugendstilvilla von 1910 sind eine Seltenheit geworden. Problematisch ist auch der Verkehr. Die Durchgangsstraße von der Lindauer Autobahn nach Weilheim durchschneidet den Ort. Hier würde ich mir ein gutes Konzept wünschen und mehr Mut, Radwege zu bauen.
Interview: Aglaja Adam