UNTER MEINEM WEISS-BLAUEN HIMMEL

Für ein Butterbrot und eine Wiesn-Breze

von Redaktion

Von Carolin Reiber

„Vergiss dein Butterbrot nicht!“ Wer erinnert sich nicht daran, wie einem die Mutter morgens die Brotdose in den Ranzen steckte? Meistens handelte es sich allerdings um Margarine. „Die Feine, preiswert wie keine“ – mit diesem Werbespruch wurde sie 1931 im Radio erstmals beworben. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gab es nur noch Einheitsmargarine auf Lebensmittelkarten. Herrlich auch das Spottliedchen: „Sanella, Sanella ohne Scheine, schmiert man sich’s aufs Butterbrot, kriegt man dicke Beine“.

Seit 1999 hat das Butterbrot immer am letzten Freitag im September seinen eigenen Ehrentag. Eine kleine Hommage an ein Nahrungsmittel, das eigentlich ganz alltäglich daherkommt und seinen Platz in Redensarten gefunden hat – „für ein Butterbrot arbeiten“ oder etwas „für ein Butterbrot erstanden haben“.

„Brot für die Welt“ – ein segensreiches Hilfswerk und mit seinen Spendenaufrufen daran erinnernd, dass Millionen Menschen nicht mal das Nötigste zum Überleben haben. Benediktinermönch Anselm Grün hat dem Gemisch aus Weizenmehl, Wasser und Hefe ein Buch gewidmet: „Brot himmlisch irdisch“. Früher wurde in den frisch gebackenen Laib ein Kreuz hineingezeichnet, bevor es angeschnitten wurde – als Zeichen von Ehrfurcht. Auch diesen Satz unserer Eltern haben wir noch aus Kindertagen gut im Ohr: „Brot wirft man nicht weg!“

Hungergefühle – sie waren anderen Generationen nicht fremd. Auch Dichter und Maler, brotlos oder schon erfolgreich, widmeten sich dem Nahrungsmittel. Goethe ließ seinen Werther davon berichten, dass er mit einigen Kindern „das Butterbrod und die saure Milch“ teilte. Martin Luther beschrieb bereits 1525 die „Butterpomme“ als beliebte Kindernahrung. Das erste Butterbrot-Bild entstand 1568: Auf dem berühmten Werk des Malers Pieter Bruegel „Die Bauernhochzeit“ hält ein Kind sein angebissenes Butterbrot auf dem Schoß.

Jeder Deutsche isst etwa 22 Kilo Brot im Jahr, am liebsten mit Butter bestrichen und dann herzhaft belegt. 17 Prozent mögen ihr Brot übrigens am liebsten zusammengeklappt, neun Prozent schneiden es vor dem Verzehr in kleine Stücke. Für mehr als 80 Prozent der Befragten ist das Abendbrot noch immer eine traditionelle Mahlzeit. Übrigens: Bei Besuchen in Russland staunte ich, dass man auch dort das deutsche Wort „Butterbrot“ in den Sprachschatz aufgenommen hat.

So, wie es jede zweite Kartoffel und jeder zweite Salat nicht auf den Teller schafft, kommt auch nicht jedes Brot auf dem Tisch an. Unvorstellbare 500 000 Tonnen Brot jährlich produzieren deutsche Bäcker für den Müll. Natürlich ist Brot, frisch gebacken, ein Hochgenuss. Aber Trockenbrot nannte man früher auch Küchengold – aus gutem Grund. Denn was kann man nicht alles daraus zaubern? Croutons für die Suppe, Semmelknödel, Brosamen für die Pasta, sogar Alfons Schuhbeck lobt es in den Himmel.

Brot vom Vortag zum halben Preis? Eine prima Initiative der Bäcker. Auch von anderen Lebensmitteln weiß man längst: Ein abgelaufenes Datum heißt keineswegs, dass man das Produkt nicht mehr essen kann.

In dieser Woche ist aber, trotz Gedenktag, nicht das Butterbrot der Star, sondern natürlich unsere Wiesn-Breze. Außen knusprig, innen weich. Die perfekte Begleiterin zur Mass. Tausende werden täglich verspeist. Vor allem die amerikanischen Gäste lieben die deutsche „Pretzel“. Ich persönlich freue mich jedes Jahr wie ein Kind auf meine erste Wiesn-Brezn.

Damit aus einer gewöhnlichen Brezn eine original Wiesn-Brezn wird, muss sie in gebackenem Zustand übrigens mindestens 250 Gramm auf die Waage bringen. Allerdings: Während die Festzeltbesucher genau darauf achten, ob der Gerstensaft auch richtig eingeschenkt ist: Jemanden, der seine Brezn nachwiegt, habe ich noch nicht entdeckt.

In diesem Sinn –

herzlich

Ihre Carolin

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