„Das einzige erhaltene Schiff der Wittelsbacher“

von Redaktion

6 FRAGEN AN

Pünktlich zu 100 Jahre Freistaat haben das bayerische Heimat- und Kultusministerium, bayerische Museen und der Landesverein für Heimatpflege 100 Heimatschätze ermittelt. Sibylle Küttner, 52, ist Historikerin und leitet das Museum Starnberger See. Sie behütet einen dieser Schätze.

Was ist Ihr Heimatschatz im Museum Starnberger See?

Unser Ruderboot Delphin. Es ist das einzige noch vollständig erhaltene Boot des Wittelsbacher Königshauses. Auch deutschlandweit ist es das letzte seiner Art. In Dresden gibt es einen Nachbau eines ähnlichen Bootes, das den sächsischen Königen gehörte. Wir haben aber ein Originalboot…

…das wann gebaut wurde?

1835 bis 1837 – und zwar für König Ludwig I. von Bayern.

Das große Geheimnis des Bootes ist gar nicht, dass Kaiserin Sisi und König Ludwig II. darin geschippert sind?

Das weiß man nicht. Man hat nur eine gesicherte Aufzeichnung, dass Maximilian II., der Sohn von Ludwig I., in dem Boot in den 1850er-Jahren zur Roseninsel im Starnberger See gerudert wurde.

Und Ludwig I. – für ihn wurde das Boot doch gebaut?

Der war nicht begeistert vom Boot. Er wusste gar nicht, dass es überhaupt gebaut wurde. Es war üblich, dass jeder neue Herrscher ein sogenanntes Leibschiff bekommt, also sein persönliches Vergnügungsschiff auf dem See. Nur Ludwig war daran nicht interessiert. Er hat sich mehr für Griechenland und Architektur in München begeistert.

Wie hat er von dem Bau erfahren?

Jedes Schiff brauchte eine Figur, die auf dem Bug steht. Die sollte er auswählen. Und dabei erfuhr er vom Bau und sagte, dass es die billigste Figur sein sollte. Und das war eben ein Delphin. Und danach ist das Boot benannt worden.

Seit wann liegt das Boot bei Ihnen im „Museumshafen“?

Seit 1914, seit es das Museum gibt. Die Museumsgründer hatten einen guten Draht zum Königshaus. Ludwig III. hat es eröffnet.

Interview: Christoph Hollender

Artikel 1 von 11