„Zefix!“ – schon wieder Dialekt-Alarm

von Redaktion

Dialekt-Alarm im Kindergarten: Das Bairische wird bei unseren Kleinsten kaum gepflegt, ihnen im Gegenteil Hochdeutsch gezielt antrainiert, schimpft ein Dialektverein. Das Sozialministerium weist das empört zurück.

München – Mitte September war es, als CSU-Gemeinderat Bernhard Heitauer aus Bischofswiesen (Kreis Berchtesgadener Land) sorgenvoll in die Zukunft blickte. „Die Kinder in Bischofswiesen“, so zitierte ihn die Lokalzeitung, „die werden total verpreißt“. Und er ging weiter, einerseits wolle das Kultusministerium die Mundart fördern, andererseits, „werden in Bischofswiesen Kinder schon im Vorschulalter extrem vernorddeutscht“. Gemeinderäte nickten betroffen.

Doch das bayerische Kultusministerium, das hier den Schwarzen Peter zugeschanzt bekam, ist unschuldig. Kindergärten liegen in der Obhut des Bayerischen Sozialministeriums. Ein Umstand, der dem Bund Bairische Sprache schon lange missfällt. Die Dialektpfleger fordern, dass die Zuständigkeit für die Kindergärten vom Sozial- ins Kultusministerium wechselt. Dies habe Ex-Ministerpräsident Horst Seehofer Wochen vor der Landtagswahl 2013 beim Bayerischen Gemeindetag in Altötting angekündigt, das Versprechen jedoch nicht umgesetzt, sagt Vereinsvorsitzender Sepp Obermeier. Er begründet die Forderung damit, dass im Sozialministerium „noch immer die von der Sprachwissenschaft längst widerlegte Irrlehre vom Dialekt als bildungshemmender Sprachbarriere gepflegt wird“. Als Beispiel zitiert Obermeier eine Passage aus dem Fachbuch „Kompetenzen. Deutsch für sozialpädagogische Berufe“ (Auflage von 2010), in das sich künftige Erzieher vertiefen sollen: „Sprechen Kinder quasi als ,Erstsprache’ Dialekt, müssen sie sich vor einer Einschulung Hochdeutsch als Lautsprache aneignen“, so heißt es im Kapitel Dialekt. Und: „Spricht die Erzieherin mit den Kindern Hochdeutsch und unterstützt sie diese, sich hochsprachlich auszudrücken, erleichtert sie den Kindern diesen Übergang.“ Gesellschaftliche Anerkennung sei nun mal „an die Beherrschung des Hochdeutschen gekoppelt“. Allerdings hat der Westermann-Verlag die Passagen inzwischen abgemildert. Auch die Empfehlung, Dialekt sei in der Kita „angemessen Raum“ zu geben, ist jetzt enthalten.

Obermeier bleibt aber dabei: Im Buch seien „Killerphrasen“, findet er. „Das gehört geschwärzt.“ Im Kultusministerium habe man bereits 2006 mit einer umfangreichen Dialekthandreichung in allen Schulen verankert, dass Dialekte beim Erwerb von Sprachkompetenz förderlich sein können. Obermeier: „Wenn einem die vorschulische Bildung am Herzen liegt, sollte man dies durch Bildung aus einem Guss realisieren.“

Im Sozialministerium stöhnt man auf, wenn der Name Obermeier fällt. Er sei ein Unruhestifter. „Die Vorwürfe von Herrn Obermeier sind haltlos und falsch“, erklärt die Pressesprecherin von Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU). „Darauf haben wir ihn auch schon einige Male hingewiesen.“ Seit 2005 sei Dialekt im Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan verankert. Wörtlich heißt es da: „Gegenüber den Eltern und Kindern muss die Wertschätzung der Familiensprachen deutlich werden – dies betrifft nicht nur Hochsprachen oder Amtssprachen, sondern auch die jeweiligen Dialekte.“

Vielleicht kommt der Kompetenzenstreit, der wohl erst nach der Wahl entschieden wird, ohnehin zu spät. Der Dialekt gilt in München inzwischen als so gut wie ausgestorben, nur geschätzt ein Prozent spricht Bairisch. Deshalb sorgt man sich auch in Bischofswiesen. Gemeinderat Heitauer erhielt Applaus für den letzten Satz: „Wenn des so weitergeht, dann bin i do nimma dahoam.“  mc/dw

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