Bayern, das Land der Tüftler

von Redaktion

VON MARION NEUMANN

Seefeld/München – Als Laie mag man sich unter den meisten Erfindungen von Engelbert Gmeilbauer wenig vorstellen können. Wozu braucht man seinen speziellen „Ausbeulhammer“ oder die „Handoszillationsmaschine“, auf die er Patent anmeldet hat? „Bei vielen meiner Erfindungen handelt es sich um Spezialwerkzeuge“, erklärt der gelernte Landmaschinenmechaniker aus Seefeld im Landkreis Starnberg. „Ich habe sie entwickelt, um Karosserie- und Mechanikarbeiten zu erleichtern.“

Doch auch für den Alltag hat der 70-Jährige schon so einiges ausgetüftelt. Etwa einen flexiblen Gießkopf für die Gießkanne. „Nach dem Tod meiner Frau war ich oft auf dem Friedhof, um zu gießen. Da gab es zwar Kannen, aber keine Gießköpfe. Also habe ich mit Hilfe eines Luftballons selbst einen gebaut. Der ist auch klein genug, um ihn im Geldbeutel mitzunehmen“, sagt er. Seit etwa zehn Jahren sitzt Gmeilbauer mit einem Geschäftspartner im eigenen Büro in Seefeld. „Ich mache die Erfindungen, er kümmert sich anschließend um die Vermarktung.“

Ähnlich wie Gmeilbauer arbeiten viele Tüftler selbstständig. Manche wie er im eigens dafür angemieteten Büro, andere im Keller im Hobbyraum. Das Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA) mit Sitz in München bezeichnet sie als „Freie Erfinder“ – sie arbeiten nicht für Unternehmen. Patent-Anmelder und Erfinder sind also identisch.

Dass es im Freistaat besonders viele von ihnen gibt, zeigt eine aktuelle Bundesländerstatistik des DPMA. Im Jahr 2017 verzeichnete das Amt 764 Patentanmeldungen von Freien Erfindern. „Bayern ist das Bundesland mit den aktivsten Freien Erfindern“, heißt es. „Auch bezogen auf die Bevölkerungszahl liegt Bayern mit 5,9 Anmeldungen pro 100 000 Einwohnern an der Spitze.“ Danach folgen Nordrhein-Westfalen (609) und Baden-Württemberg (573).

Doch ist das Tüftler-Dasein nur ein schönes Hobby – oder rechnet es sich auch finanziell? Laut Gmeilbauer brauche man schon einen langen Atem, um Erfolg zu haben. „Ich habe schon auf sehr viele Erfindungen Patent angemeldet. Aber noch nicht so viele davon vermarktet“, sagt er. Glaubt man, tatsächlich eine vielversprechende Idee zu haben, müsse man zudem schnell handeln. „Wenn ich fünf Jahre an etwas arbeite, ist mir wahrscheinlich schon ein anderer zuvorgekommen“, sagt er.

Der 70-Jährige ist außerdem Mitglied im Deutschen Erfinderverband. Regelmäßig trifft er sich mit anderen Tüftlern aus Oberbayern, um sich auszutauschen. Schon mehrmals ist er mit ihnen auf Messen gefahren, um seine Produkte vorzustellen. „Gerade wenn man anfängt, ist das sinnvoll“, sagt er.

Eine dieser Messen, auf der auch Erfindungen wie das Tastentelefon oder der Rollenkoffer ihren Anfang nahmen, ist die „iENA“ in Nürnberg. Die Fachmesse für Ideen-Erfindungen-Neuheiten, die Anfang November stattfindet, feiert dieses Jahr ihr 70-jähriges Bestehen. Laut Veranstalter werden dort heuer 800 Tüftler aus 31 Ländern ausstellen. Freie Erfinder können sich außerdem bei sogenannten Erfindererstberatungen von Patentanwälten beraten lassen.

Gmeilbauer wird dieses Mal nicht zur Messe fahren. Im Erfinder-Geschäft ist er ein alter Hase. „Seit ich mit meinem Geschäftspartner im Büro arbeite, lohnt sich die Arbeit auch finanziell“, sagt er. „Wir vergeben jeden Monat neue Lizenzen.“

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