München – Die Bayernpartei (BP) hat die Fünf-Prozent-Hürde geknackt – im Stimmkreis Traunstein. Im flächengrößten Landkreis Oberbayerns überflügelte das Bündnis, das Bayerns Unabhängigkeit fordert, FDP und Linke. Den Vorsitzenden Florian Weber freuen die 5,1 Prozent – die Ernüchterung über die landesweiten 1,7 Prozent (2013: 2,1) überwiegt aber. Eine Tatsache tröstet Weber etwas: „Wir sind immer noch die Größten unter den Kleinen.“
Es war nicht die Landtagswahl der kleinen Parteien. Alle, die schon 2013 angetreten waren (BP, ÖDP, Piraten, Die Franken), verloren deutlich. Neue Projekte wie die Liberal-Konservativen Reformer oder die Humanisten erreichten nicht einmal 0,1 Prozent.
Weber hat analysiert, dass einige Protestwähler von der BP zur AfD übersprangen, und sich vorgenommen: „Wir müssen mehr über die sozialen Netzwerke agieren.“ Was die ÖDP künftig besser machen muss, weiß ihr oberbayerischer Spitzenkandidat Thomas Prudlo gar nicht so genau. Er habe das Ergebnis (1,6 Prozent; 2013: 2,0) erwartet: „Hunderte Leute auf der Straße haben mir gesagt, sie würden uns gerne wählen, wollen aber ihre Stimme nicht verschenken.“ Im Vergleich zu 2013 verlor Prudlos politische Heimat über 27 000 Wähler – also quasi eine Kleinstadt. Der Münchner plädiert für das Konzept der Alternativstimme, mit der man eine zweite Partei wählen könnte, falls die erste an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert. „So würde der Wählerwille besser berücksichtigt und taktisches Wählen abgefangen.“
Auch wenn sie über die 0,3 Prozent enttäuscht ist: Für Mut-Gründerin Claudia Stamm ist das Ergebnis erstmal zweitrangig. „Was wir im Wahlkampf geleistet haben, war der Wahnsinn angesichts der widrigen Umstände“, sagt die ehemalige Grünen-Landtagsabgeordnete. Ihr Mann, der sich ebenfalls für die junge Partei engagierte, starb mitten im Wahlkampf – genau wie zwei aktive Mitglieder aus Franken. Mit dem Ende der Legislaturperiode ist Stamm als Berufspolitikerin nun arbeitslos. Die ehemalige BR-Redakteurin habe Angebote aus dem Journalismus, wolle sich nach dem Tod ihres Mannes aber zunächst um ihre beiden schulpflichtigen Kinder kümmern. Eines steht für sie fest: „Bayern braucht Mut.“
Stärker als Stamms Bewegung, die V-Partei³, die Tierschutzpartei (beide 0,3) oder die Partei für Gesundheitsforschung (0,1) schnitten die Satiriker ab. „Die Partei“ erreichte beim Bayern-Debüt 0,4 Prozent. TOBIAS GMACH