„Zu mir kommen weniger Kinder“

von Redaktion

MEIN DORF Kramerin Irmgard Pitschi lebt in Ebertshausen

Jede Woche beantwortet ein Oberbayer Fragen rund um seine Heimat. Irmgard Pitschi, 82, lebt seit 60 Jahren in Ebertshausen im Kreis Dachau und ist ebenso lange Kramerin mit Leib und Seele.

Sie haben einen Tante- Emma-Laden wie zur guten alten Zeit…

Ja, der Laden gehört seit über 100 Jahren zu unserer Familie. Mein Mann und ich haben ihn vor 60 Jahren übernommen. Es ist noch wie früher. Wenn jemand reinkommt, dann geht die Glocke. Meine Schubladenkasse ist auch eine Rarität. Ich habe auch noch eine alte Waage. Und wenn ich grad mal nicht da bin, dann warten die Leute, bis ich nach vorne komme. Ich wohne im selben Haus. Stammkunden können auch anschreiben lassen.

Die Geschäfte laufen gut?

Es wird immer weniger. Die Leute fahren lieber zum großen Supermarkt. Aber Unterhaltung ist auch wichtig. Viele kommen zum Ratschen.

Ans Aufhören denken Sie trotzdem nicht?

Nein. Der Laden ist mir sehr ans Herz gewachsen. Ich bin auch ein bisschen traurig: Wenn ich aufhöre, bleibt der Laden zu. Meine drei Kinder und sechs Enkel wollen nicht weitermachen.

Haben Sie viele Stammkunden?

Ja, aber die werden leider auch alle älter.

Gibt es in Ebertshausen keine jungen Leute?

Zu mir kommen weniger Kinder als früher. Das ist ganz aus der Mode gekommen. Früher waren die oft da und haben Süßigkeiten eingekauft. Ob die nimmer so ein Verlangen nach Süßem haben? Aber in Ebertshausen gibt es schon junge Familien. Der Ort wächst zwar nur langsam und ist ein richtiges Dorf geblieben, mit rund 300 Einwohnern. Neue Baugebiete gibt es trotzdem, hauptsächlich für Einheimische. Die meisten Zugezogenen wollen auch gar nicht zu uns nach Ebertshausen, sondern lieber gleich in den Nachbarort Odelzhausen, weil es da alles gibt.

Dann ist Ebertshausen noch ein Bauerndorf?

Ja, aber ein viehloses. Es gibt zwar noch Bauernhöfe, aber keine Tiere mehr. Nur noch Hühner. Die laufen auch auf der Straße, das gefällt oft den Leuten, die aus der Stadt bei uns durchfahren.

Wo trifft man sich denn in Ebertshausen?

Wir sind ganz stolz auf unseren Pfarrstadl. Den hat die Dorfgemeinschaft in Eigenleistung hergerichtet. Sonntags ist er bewirtet, da kommt man zam. Und nächstes Jahr haben wir dort was Schönes vor…

Was denn?

Ende Mai feiern wir die 1250-Jahr-Feier von Ebertshausen. Wir haben eine gute Gemeinschaft und organisieren das Fest zusammen. Da freu ich mich schon drauf!

Interview: Aglaja Adam

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