Der Hollywood-Friseur vom Tegernsee

von Redaktion

Charlize Theron, Julianne Moore und Julia Roberts nannten ihn „Dschosef“. Josef Pergi aus Dürnbach war der Friseur der Hollywood-Stars. In Amerika machte er die große Karriere. Heute lebt er wieder am Tegernsee. Von einem der ausgeflogen ist, um zuhause das Glück zu finden.

VON MAGDALENA KRATZER

Josef Pergi zieht zum letzten Mal mit der Rundbürste an. Mit den Händen greift er in die Haare, kritisch betrachtet er die Spitzen. Zupft noch ein wenig. Hier ein bisserl, da ein bisserl. „Fertig.“ Er ist zufrieden. Holt den kleinen Spiegel und lässt die Kundin ihren Hinterkopf betrachten. Der gestufte Bob gefällt ihr gut. „Josef, Du bist der Beste.“ Josef Pergi – groß, durchtrainiert, kurze dunkle Haare, leicht grau meliert, gebräunter Teint, Vollbart, sein Alter ist sein Geheimnis – hört das öfters. Und freut sich immer wieder darüber.

Im Salon „Coiffeur Etoile“ in Rottach-Egern (Kreis Miesbach) buchen die Kunden schon Wochen im Voraus, um einen Termin bei ihm zu bekommen. Auch das ist schon lange so. Nicht nur am Tegernsee. Auch in Amerika, wo Josef Pergi 26 Jahre lebte und arbeitete.

Mit 28 Jahren und einem Flugticket in der Hand stand Josef Pergi am Münchner Flughafen. Ein Freund hatte ihn auf die Idee gebracht, nach Amerika zu fliegen. „Da wollte damals jeder hin.“ Josef Pergi musste nicht einmal ein Visum beantragen. Die amerikanische Staatsbürgerschaft hatte er bereits.

Sein Vater war ein tschechischstämmiger Soldat bei der US-Army. Seine Mutter lernte ihn durch den Freund einer Kollegin kennen. Er war in der Kaserne in Bad Tölz stationiert. Nach der Hochzeit zogen die Pergis in die USA. Ihr Sohn Josef wurde in Fort Bragg North Carolina geboren, dort war der Vater stationiert. 1969 zog Pergi mit der Mutter und seinen beiden Schwestern wieder nach Deutschland. Er wuchs in Dürnbach auf, im Haus der Großeltern. Sein Vater kämpfte in Vietnam. „Er kam erst später nach.“

Gelernt hat Josef Pergi beim Friseur „Jägerwinkel“ in Bad Wiessee. Seine Ausbildung bestand er „mit Ach und Krach“. Erst als er in Nürnberg an der Friseurhochschule Meininghaus einen Kurs belegte, zeigte sich sein Talent für Farben und Schnitte. „Die haben mich gleich als Lehrer eingestellt.“

Dann ging es für Josef Pergi auf der Karriereleiter steil bergauf. Zehn Jahre arbeitete er in München in den Salons „Coiffeur Roth“ und „Rudi Niessner“ an der Theatinerstraße, es folgten Zwischenstationen in London, Paris und Barcelona. Und schließlich Amerika. Erst ging’s nach San Francisco. „Das war mir aber zu alternativ“, sagt er heute. Los Angeles dagegen ist perfekt.

Man könnte Josef Pergi auch als Exportschlager bezeichnen: Stars, Produzenten und Newcomer schätzen sein „German Handwerk“. In Deutschland hat er seinen Meister gemacht, in den USA hat er eine spezielle Schneide- und Färbetechnik entwickelt.

Der Schnitt, den er seinen Kunden verpasst, sitzt für lange Zeit. Die Haare fallen natürlich, ohne dass sie groß nachstylen müssen. Er gilt als Spezialist für „blond-on-blond-color“. Die Naturfarbe wird dabei um zwei Nuancen aufgehellt, dann setzt er blonde Strähnen. In Amerika war Josef Pergi dafür berühmt. Damals zeigte er Pamela Anderson ihren Hinterkopf im Spiegel. Auch Anastacia oder Charlize Theron. Sogar Julia Roberts hatte er schon vor sich auf dem Friseurstuhl sitzen. „Schnitzelman“ hat die zu Josef Pergi immer gesagt. Sonst war er bei allen „Dschosef“. Josef eben. Auf Amerikanisch.

An eine Rückkehr in das Land seiner Geburt hatte Josef Pergi lange nicht gedacht. Doch sie wurde für ihn zum größten Erfolg. Er arbeitete in den besten Friseursalons in L.A. Im „Christophe Salon“, im „Triton House“, im „Cush Salon“, beim Liebling der Promis, Kevin Josephson. Auch im Salon „Juan Juan“ am Rodeo Drive gaben sich die Stars die Klinke in die Hand. Josef Pergi konnte sich irgendwann aussuchen, wo er arbeiten wollte. Als selbstständiger Stylist hatte er seinen Friseurstuhl in den besten Salons Hollywoods. „Quasi ein Salon im Salon.“

Der Coiffeur aus Deutschland war aber auch selbst so etwas wie ein Star. In dem Film „Safe“ hatte er sogar eine kleine Nebenrolle. „Ich spielte einen Friseur aus den 80er-Jahren.“ Der Hauptdarstellerin Julianne Moore machte er außerdem die Haare. „Eine ganz Nette.“ „Jooooosef, Darling! How are you?“ Bussi links, Bussi rechts. „Are you coming tonight?“ Natürlich kommt Josef Pergi an diesem Abend zur Filmpremiere.

Er war bei „Benjamin Button“, bei „Interview mit einem Vampir“, dem blutigen Schmachtschinken mit Brad Pitt und Tom Cruise. Die Gäste nahmen auf antiken Möbeln Platz, die Kellner waren wie die Vampire im Film gekleidet und geschminkt. Rokoko-Perücken und Spitzenkragen inklusive. „Des war schon etwas dekadent“ sagt Josef Pergi und lacht. Auch an diesem Abend ging er erst um 3 Uhr morgens ins Bett.

Filmpremieren, Hauspartys, Empfänge gehörten zum Alltag. „Ein Kind von Traurigkeit war ich nie.“ An Weihnachten gab Josef Pergi auch selbst Partys. Mit Schweinsbraten, Knödel und Blaukraut. Sogar Bier hat er sich einmal vom Tegernsee einfliegen lassen. „Das war legendär. Meine Weihnachtspartys vermissen sie noch heute drüben“, sagt Josef Pergi.

Wenn er von Amerika spricht, spricht er von „drüben“. Irgendwann wurde ihm dort alles zu viel. Die Partys, der Stress. „Ich hatte schon Bluthochdruck“, sagt er. Manchmal, wenn im Salon ein Termin den anderen jagte, kamen die Panikattacken.

Eine seiner Schwestern, eine Immobilienmaklerin, die in Las Vegas lebt, redete ihm ins Gewissen. Zwei Freunde von ihm waren bereits an einem Herzinfarkt gestorben. „Sie hat mir gesagt, dass ich mich zamreißen muss.“ Irgendwann zog Josef Pergi die Reißleine. Schon öfter hatte er darüber nachgedacht, zurück nach Deutschland zu gehen. Als ihn ein Fernsehteam aus der Heimat in Los Angeles besuchte, machte er Nägel mit Köpfen.

Von Beverly Hills ging’s zuerst nach Berlin. „Probearbeiten bei Udo Walz.“ Eine Woche lang war er dort, dann zog es ihn an den Tegernsee. „Berlin war nicht meins“, sagt er rückblickend. Zu groß, zu viel Szene, zu wenig Ruhe. „Da hätte ich gleich in L.A. bleiben können.“

2014 fing er in Bad Wiessee neu an. Im „Jägerwinkel“, seinem Lehrbetrieb. Doch dort blieb er nur kurz. Mittlerweile arbeitet er in der Nachbargemeinde Rottach-Egern. Im Salon „Coiffeur Etoile “ ist er fest angestellt. Und in guter Gesellschaft. Sein Chef Günther Scherhaufer ist ehemaliger Friseur-Weltmeister, sein Kollege Arnd Oertl war Stylist beim Fernsehen. In der Seestraße hat es sich schnell herumgesprochen, dass nun auch der Hollywood-Friseur dazugestoßen ist. „Das ging ganz schnell“, sagt Josef Pergi und lacht.

Das Leben im Tal gefällt ihm sehr. „Es gibt wenige Plätze auf der Welt, die so schön sind.“ Dabei hat er schon einige gesehen. Statt zu Filmpremieren geht er heute Bergsteigen oder Skifahren. „Das tut mir gut. Ich bin viel entspannter.“ Der Bluthochdruck ist weg. Vor einem halben Jahr war Josef Pergi seit seinem Umzug zum ersten Mal wieder in L.A. „Zum Urlaub machen.“ Und um Freunde zu besuchen. Einige seiner alten Kunden fragten ihn, ob er nicht alle vier Wochen rüberfliegen könnte. Er schmunzelt. „Es war sehr schön drüben.“ In Hollywood leben wollen würde Josef Pergi aber nicht mehr. Angekommen ist er daheim am Tegernsee.

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