Das Fest, an dem sich die Geister scheiden

von Redaktion

Gruselpartys und maskierte Kinder, die durch die Nachbarschaft ziehen: Halloween, der Feiertag aus den USA, ist in Bayern angekommen. Nicht alle können mit dem Spuk etwas anfangen.

VON ELENA SIEGL

München – Fiese Kürbisfratzen weisen orange-leuchtend den Weg. Kleine Hexen, Vampire und Geister ziehen im Dunklen durch die Straßen und fordern: „Süßes oder Saures“. Für viele Kinder ist am 31. Oktober ganz selbstverständlich Halloween. Traditionalisten können darüber nur den Kopf schütteln. „Amerikanischer Schmarrn“, sagen sie. Weil am selben Tag der evangelische Reformationstag gefeiert und am nächsten Tag, an Allerheiligen, der Verstorbenen gedacht wird, passt das laute, schrille Halloween nicht so recht ins bayerische Bild. Es ist das Fest, an dem sich die Geister scheiden.

Ganz so kritisch sieht der katholische Pfarrer Josef Konitzer vom Pfarrverband Zugspitze das nicht. „Alles hat seine Daseinsberechtigung.“ Mit einem schlichten „nichts für uns“ macht man es sich deshalb zu einfach, glaubt er. Denn wenn man den Brauch hinterfragt, komme man schnell auf Sinnbilder, die nachvollziehbar sind. „Es zeigt, dass es eine böse Welt gibt, in der Menschen manchmal stecken. Und den Wunsch nach Veränderung und Harmonie. Dass das Licht das Sagen hat“, sagt er. Er ist davon überzeugt, dass sich die Mehrheit der Menschen des Hintergrunds von Halloween bewusst ist und sie es nicht nur als Belustigung sehen. Auch, wenn die natürlich dazugehöre. Pfarrer Konitzer freut sich, wenn er herbstlich dekorierte Häuser sieht. Mit Blättern und Kürbissen. Dennoch, obwohl es ihm bei anderen gefällt: „Ich käme nicht auf die Idee, einen Kürbis zu schnitzen und vor die Tür zu stellen“, sagt er und lacht.

Auf Kürbisse will Walburga Loock aus Schwabhausen (Kreis Dachau) auf keinen Fall verzichten. „Ich weiß noch ganz genau, wie ich meinen ersten Kürbis geschnitzt habe. Das war 1988 mit meinen Kindern“, erzählt sie. Die Kinder sind mittlerweile erwachsen, Kürbisse schnitzt Walburga Loock trotzdem noch. Und zwar nur lachende Gesichter. Oder Tiere. Jeder Kürbis bietet sich für ein anderes Motiv an, erklärt sie.

Sie kennt sich aus. Seit vielen Jahren baut sie das herbstliche Gemüse auf ihrem Hof an. Ein lukratives Geschäft vor Halloween. Allerdings sah das vor einigen Jahren noch ganz anders aus. „Ich hab Halloween 1997 erst in den Münchner Raum gebracht“, ist sie sich sicher. Damals organisierte Loock eine große Halloween-Party. Auf großes Interesse stieß sie damit nicht. „Außer meinen Freunden kam niemand.“

Nicht nur wegen der Kürbisse mag Walburga Loock Halloween. „Das Wichtigste ist feiern, das ist meine Philosophie“, sagt sie. Dass sich in einer globalisierten Welt allerorts Leute von der nordamerikanischen Halloween-Begeisterung anstecken lassen, sei logisch. „Halloween verbindet die Menschen, das ist doch super“, findet Loock.

Ob Kind oder Erwachsener – wer sich ein bisschen gruseln oder mit Gleichgesinnten feiern will, wird an Halloween immer fündig. Und längst bleibt es nicht mehr bei Partys und Kinderumzügen durch die Nachbarschaft. Da gibt es auch wild verkleidete Schauspieler, die bei Stadtführungen blutige Kriminalfälle nachstellen, im Kino werden Horrorfilme gezeigt, sogar Schwimmbäder locken zum Halloween-Event.

Zum Beispiel der Badepark Bad Wiessee (Kreis Miesbach). Dort sieht man Halloween als lustiges Motto. „Wir greifen als Freizeitbad sämtliche Themen auf“, erklärt Betriebsleiter Karl Maurer. Heute wird deshalb Kinderschminken und Kürbisschnitzen angeboten und zum Planschen im blutrot gefärbten Wasser eingeladen. Es gebe allerdings auch einzelne Badegäste, die Halloween nicht gutheißen, oder Kindergärten, die Plakate nicht aufhängen wollen, sagt Maurer. Ihnen erklärt er, dass es dem Bad nicht darum gehe, Halloween groß zu feiern, sondern dass sie den Gästen lediglich eine lustige Veranstaltung bieten wollen.

Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler kann dem importierten Brauch nicht viel abgewinnen. „Wie mit vielen Dingen ist es so, dass Halloween zwar seine Wurzeln in Europa hat, so wie es heute gepflegt wird, beziehungsweise ausartet, ist von dem ursprünglichen, herbstlichen, dämonischen Treiben aber nicht mehr viel übrig geblieben“, meint er. Stattdessen werde Halloween hier mittlerweile ähnlich wie in Amerika gefeiert – von Werbung und Wirtschaft angekurbelt, kritisiert Göttler. Trotzdem: Ob und wie etwas gefeiert wird, da sollte man grundsätzlich keine Vorschriften machen, findet der Bezirksheimatpfleger. „Allerdings ist es doch eigenartig, wie unreflektiert Leute etwas feiern, obwohl vielen nicht einmal der Hintergrund von Halloween bekannt ist.“

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