Nur noch drei Josefs – und keine Maria

von Redaktion

Vornamen der Landtagsabgeordneten spiegeln Wandel der Zeit

VON HELMUT BERSCHIN

München – Der neue Bayerische Landtag zählt 205 Abgeordnete, von Klaus Adelt (SPD) bis Christian Zwanziger (Grüne). Die Nachnamen der Abgeordneten sind kaum zu verwechseln: Außer dreimal Huber und zweimal Herrmann (alle CSU) kommt jeder Nachname nur einzeln vor. Bei den Vornamen ist das allerdings anders.

Die 150 Männer teilen sich 81 verschiedene Rufnamen, die 55 Frauen 45. Der häufigste männliche Vorname ist – wie im Landtag 2013 – Martin. Neun Abgeordnete heißen so. An zweiter Stelle steht Markus (sieben Mal), es folgen Alexander und Florian sowie Andreas, Christian und Klaus (je fünf bzw. vier Mal). Alle gehörten in der Bundesrepublik der 1960 bis 80er Jahre zu den beliebten Vornamen. Alexander war auch 2017 noch der zweithäufigste Bubenname. Unter den Frauen gibt es drei Barbaras, Kerstins und Petras. Anna, Anne, Eva und Ruth kommen zwei Mal vor. Die übrigen Namen sind individuell: von Alexandra (Hiersemann, SPD) und Angelika (Schorer, CSU) bis zu Ute (Eiling-Hütig, CSU) und Verena (Osgyan, Grüne).

Beim ersten Nachkriegslandtag 1946 hieß jeder zehnte männliche Abgeordnete Josef. Zwei der insgesamt nur vier Frauen trugen den Vornamen Maria. Heute ist im Landtag das klassische altbayerische Namenspaar „Maria und Josef“ Vergangenheit: Keine Abgeordnete wird Maria gerufen; zurück bleiben drei Josefs, ein weiterer (Monatzeder, Grüne) nennt sich Hep – ähnlich wie im letzten Landtag der Grüne Josef Dürr als Sepp auftrat.

Bayernspezifische Vornamen gibt es unter den Abgeordneten nicht. Mit Ausnahme von drei türkischen Namen (Arif, Cemal, Gülseren) gehören alle zum deutschen Vornamenschatz: Namen wie Albert, Alexander, Alfred, Andreas, Anton bzw. Alexandra, Angelika, Anna, Anne, Annette sind deutschlandweit üblich. Es gibt aber regionale Vorlieben: Dass die ober- und niederbayerischen Stimmkreise im Landtag durch drei Josefs und fünf Florians vertreten sind, hat etwas mit der dortigen Beliebtheit dieser katholischen Heiligen-Namen zu tun. Am stärksten zeigt sich der regional-dialektale Einfluss bei gewissen Kurzformen, zum Beispiel süddeutsch Sepp oder rheinisch Jupp für Josef. Bis vor wenigen Jahrzehnten wurden solche Namen von den Standesämtern nicht akzeptiert – die Fußballnationaltrainer Sepp Herberger und Jupp Derwall hießen amtlich „Josef“. Die Kurzform zeigt persönliche Nähe, ebenso die Koseform, die drei Abgeordnete verwenden: Gabi (Schmidt, FW), Rosi (Steinberger, Grüne) und Uli (Henkel, AfD).

Das Lebensalter der Abgeordneten des Landtags umspannt drei Generationen: Das älteste Mitglied, Helmut Markwort (FDP), ist 1936 geboren, das jüngste, Florian Siekmann (Grüne), 1995. Das spiegelt sich auch bei der Herkunft der Vornamen. Die jüngsten Abgeordneten (geboren 1990 bis 95) haben durchwegs christlich-antike Namen: Anna, Benjamin, Eva, Florian, Tim (Kurzform von Timotheus). Bei den ältesten (geboren vor 1950) konkurrieren solche Namen (Eva, Joachim, Peter) mit germanisch-deutschen (Helmut, Hubert, Wolfgang).

Alle Abgeordneten erhielten ihre Vornamen vor mehr als 20 Jahren. Neue Top-Namen wie Mia und Ben (Kurzformen für Maria und Benjamin) fehlen also im Landtag.

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