Scharnitz – Es ist eine der wichtigsten Verbindungen zwischen Oberbayern und Tirol: Wer von Mittenwald (Kreis Garmisch-Partenkirchen) nach Österreich fährt, der kommt gleich hinter der Grenze nach Scharnitz. Die Folgen für das Dorf: Eine sehr hohe Verkehrsbelastung mit bis zu 18 000 Fahrzeugen an Spitzentagen.
Das ändert sich ab sofort. Nach einer dreijährigen Bauzeit konnte am Samstag die neue zwei Kilometer lange Umfahrung feierlich eröffnet werden. Künftig wird der Verkehr über den neuen rund 960 Meter langen Porta Claudia-Tunnel und über die 100 Meter lange, imposante Isarbrücke am Nordportal geleitet. Dem ebenfalls neuen Tunneleinsatzfahrzeug der Scharnitzer Feuerwehr gebührte die Ehre, als erstes Fahrzeug offiziell die Straße zu befahren.
„Mit dem heutigen Tag beginnt eine neue Ära von Scharnitz“, sagte Tirols Landeshauptmann Günther Platter bei dem Festakt. „Ab sofort rollt nur noch ein Viertel des derzeitigen Verkehrs durch das Ortszentrum.“ Die Tiroler rechnen künftig mit durchschnittlich rund 8500 Fahrzeugen, die täglich Scharnitz durchqueren. „Das bedeutet nicht nur eine nachhaltige Verbesserung der Lebensqualität, sondern auch gewaltige Chancen für die künftige Entwicklung von Scharnitz“, betonte Platter.
Von den Scharnitzern gab es viel Applaus dafür, zahlreiche Schaulustige waren zur Eröffnung gekommen. Immerhin haben sie lange für die Umfahrung gekämpft. Bereits vor 40 Jahren gab es die ersten Beschwerden wegen des Verkehrs. Die ersten Studien für eine Umfahrung wurden schließlich 1989 in Auftrag gegeben. Seit dem Jahr 2010 befasste sich das Land Tirol intensiv mit dem Projekt, vor drei Jahren fand der Spatenstich statt.
Der Bau war technisch nicht immer einfach, weil aufwendige Tunnelausbruch-, Felssicherungs- und Betonierarbeiten nötig waren. Es war das größte Straßenbauprojekt des Landes Tirols in den vergangenen Jahren, die Baukosten betrugen 34,5 Millionen Euro. „Wir haben sowohl den Kostenrahmen als auch den Zeitplan eingehalten“, erklärte der Tiroler Straßenbaureferent Josef Geisler. Letzteres war wichtig, da im Februar im nahen Seefeld die nordische Ski-Weltmeisterschaft startet und deshalb die Entlastung besonders dringend wird.
Scharnitz ist nicht der einzige Ort im Alpenraum, der unter einer starken Verkehrsbelastung leidet. Auch in Oberau (Kreis Garmisch-Partenkirchen) hat man mit dem Problem zu kämpfen, dort wird eine Umfahrung mit dem Magdalena-Tunnel gebaut. Er soll im Jahr 2021 fertig sein.
Eine weitere wichtige Verbindung zwischen Bayern und Tirol ist der Grenztunnel Füssen-Reutte. Hier müssen die Bürger in diesen Tagen einen Umweg in Kauf nehmen. Weil die Fahrbahndecke und die Schachtabdeckungen der 1,3 Kilometer langen Strecke erneuert werden, ist diese ab sofort bis voraussichtlich Mittwoch, 21. November, gesperrt. Der Verkehr wird zwischen der Anschlussstelle Füssen und der Anschlussstelle Vils umgeleitet.
Wegen Instandhaltungsarbeiten ist ab morgen bis kommenden Freitag außerdem der Lermooser Tunnel zwischen 18 Uhr abends und sechs Uhr morgens nicht befahrbar.