Volksmusik und klösterliches Leben, diese Begriffe wollen auf den ersten Blick so gar nicht zusammenpassen. Auf der einen Seite die Welt der Volksmusikshows von Florian Silbereisen, bunt und schrill. Auf der anderen das von Einkehr und Besinnung geprägte Leben in der Klostergemeinschaft. Dass die Kombination funktioniert, zeigen seit sieben Jahren „Die Priester“. Eine Volksmusikgruppe, bestehend aus den drei Geistlichen Andreas Schätzle, Abt Rhabanus Petri und Pater Vianney Meister. Erstere leben im Kloster, Pater Vianney in der Erzabtei St. Ottilien im Kreis Landsberg am Lech.
Im Jahr 2011 veröffentlichten die drei mit „Spiritus Dei“ ihr Erstlingswerk – der Erfolg war überwältigend. Sowohl in Deutschland als auch in Österreich erreichte die Platte Goldstatus, ganze 20 Wochen hielt sich die CD in den Top 100 der deutschen Charts. Es folgten drei weitere Alben: „Rex Gloriae“ (2012), „Salus Advenit“ (2015) und „Möge die Straße“ (2017). Alle schafften den Sprung in die Charts.
Mit dem Erfolg hatte keiner der drei gerechnet, auch wenn Andreas Schätzle zugibt: „Nach dem Erfolg von ,Chant’ von den Münchnern vom Stift Heiligkreuz, das in Österreich mehrfach mit Platin ausgezeichnet wurde, war mir klar, dass so etwas Potenzial hat.“ Er ist vom Fach, Programmdirektor beim Rundfunksender Radio Maria Österreich.
„Chant“, das war eine Reihe von Gregorianik-Alben, die von Münchner Zisterzienser-Mönchen eingespielt wurden. Zisterziensermönch Karl Wallner vom Heiligkreuz-Stift in München hatte das Projekt auf den Weg gebracht. Er war auch maßgeblich an der Entstehung der „Priester“ beteiligt. Zusammen mit dem damaligen Abtprimas von St. Ottilien, Notker Wolf, entwickelte er die Idee einer singenden Priestergruppe.
Notker Wolf ist selbst kein Unbekannter, wenn es um ungewöhnliche Musikprojekte von Kirchenleuten geht. Der bekennende Rockmusik-Fan stand schon gemeinsam mit den Legenden von Deep Purple auf der Bühne und spielte deren weltbekannten Hit „Smoke on the Water“. Er war es auch, der Pater Vianney kontaktierte und ihn fragte, ob er sich an den „Priestern“ beteiligen will.
Pater Vianney, der von sich sagt, „die Musik bestimmt mein Leben“, willigte ein und machte sich direkt auf die Suche nach Mitstreitern. Pater Rhabanus stieß nach einem Anruf Vianneys als zweiter Mönch dazu: „Ich habe sofort Ja gesagt.“ Die beiden kannten sich aus ihrer gemeinsamen Zeit im Kloster St. Ottilien, wo Pater Vianney noch heute lebt.
Pater Rhabanus hat es derweil nach Rheinhessen verschlagen, er hat aber noch immer starke Verbindungen zu dem Ort, wo er sein Noviziat empfing. Außerdem hatte er schon mit Pater Vianney eine CD eingesungen, „damals aber noch klosterintern“, sagt er lachend. Über einen Mitstudenten kamen die zwei auf Andreas Schätzle aus Wien, der das ungewöhnliche Trio komplettierte.
Zu dem Zeitpunkt ahnten sie noch nicht, dass sie ihre Musik nicht nur auf zwei Tourneen und zu unzähligen Auftritten in Kirchen führen würde, sondern bis in die schillernde Welt des Eurovision Song Contest. Zumindest dessen Vorentscheid im Jahr 2013. Es reichte zwar nur für den zehnten Platz, dennoch war der Auftritt in Hannover ein einmaliges Erlebnis: „Es war spektakulär“, sagt Pater Vianney. Nur einen Makel hatte das Ganze, meint Andreas Schätzle: „Man hat eine gewisse Konkurrenz gespürt, da waren die Leute nicht so offen, wie wir es sonst erleben. Das war eine etwas komische Atmosphäre, ehrlich gesagt.“
Dennoch will das Trio die Erfahrung nicht missen, genauso wenig die Auftritte mit bekannten Stars der Musikszene wie Andrea Berg oder DJ Ötzi. Der ist den Priestern noch etwas schuldig: „Er war eingeladen, mit Florian Silbereisen und uns gemeinsam den Jakobsweg zu gehen, aber er hat sich dann doch bedeckt gehalten“, erzählt Schätzle und fügt lachend an: „Vermutlich wegen seiner vielen Termine.“ Da müssen auch Schätzles Kollegen lachen.
Nichts ist zu spüren von einer kirchlichen Steifheit oder der Ernsthaftigkeit, die so häufig mit Kirche und Gottesdiensten in Verbindung gebracht wird. Stattdessen: Herzlichkeit und Lebensfreude. Gefühle, die die drei an ihre Zuhörer und Konzertgäste weitergeben wollen. Stolz berichten sie von atheistischen Konzertbesuchern, die „Gänsehaut bei ihrem Auftritt“ hatten und von Zuhörern, die durch die Musik des Trios wieder zurück zum Glauben gefunden hätten.
Trotzdem betonen sie: „Unsere Musik ist für jeden.“ Das spiegelt sich auch in der Auswahl ihrer Lieder wider. Es ist ein bunter Mix aus bis zu 1200 Jahre alter Kirchenmusik, klassischen Stücken wie aus Tschaikowskys „Schwanensee“, aber auch Pop-Songs von Xavier Naidoo und Leonard Cohen. Und diese Mischung kommt beim Publikum an. So sehr, dass es bereit ist, für ein Konzert ungewöhnliche Orte aufzusuchen. „Die beeindruckendste Atmosphäre hatten wir, als wir im Bergwerk Merkers bei Bad Salzungen in Thüringen 500 Meter unter der Erde vor 1000 Zuschauern gesungen haben.“
Die größten Fans findet man aber in St. Ottilien. Denn dort lebt Pater Vianney nicht nur als Mönch, er arbeitet auch als Lehrer und Erzieher an der Schule, zur Freude der Schüler: „Die finden das natürlich cool, wenn sie einen Mönch kennen, der im Fernsehen singt.“ Sie waren „quasi meine ersten Groupies“, erzählt er schmunzelnd. „Und die zweiten?“, fragt Pater Rhabanus schelmisch, worauf Pater Vianney antwortet: „Die Mütter.“
Das neue Album
heißt „Das Beste“, ist eine Zusammenstellung der Lieblingslieder des Trios und ist am 9. November erschienen. Preis: 17,99 Euro.