Jede Woche beantwortet ein Oberbayer Fragen rund um seine Heimat. Edigna Kellermann, 65, lebt in Puch im Landkreis Fürstenfeldbruck. Schon ihr Vorname zeigt Verbundenheit zu ihrem Heimatdorf.
Wo ist denn Ihr Lieblingsort in Puch?
Puch liegt auf einer Altmoränenterrasse. Auf dem höchsten Punkt ist die Kirche, die von Weitem zu sehen ist. Westlich davon steht die Edigna-Linde. Ich setze mich gerne auf die Bank dort, schöpfe Kraft und genieße die Ruhe.
Edigna-Linde, was hat es damit auf sich?
Der Name stammt von der Seligen Edigna, die 1074 nach Puch kam. Die französische Königstochter, mütterlicherseits ukrainischer Abstammung, sollte verheiratet werden. Sie kam auf einem Ochsenwagen, der Hahn krähte, die Ochsen blieben stehen und die Glocke läutete. Sie sah das als Zeichen Gottes, in der Linde Unterschlupf zu suchen. Dort soll sie als Einsiedlerin bis zu ihrem Tod 1109 gelebt haben.
Und Sie heißen nach der Seligen Edigna?
Ja. Ein seltener Name, der in Puch aber häufig vorkommt. Früher gab es in fast jedem Haus eine Edigna. Meine Mutter hieß Edigna, eine meiner beiden Töchter ebenfalls.
Warum wird die Selige Edigna so verehrt?
Sie war sehr fromm und in Heilkunde bewandert. Die Menschen kamen zu ihr, wenn sie oder ihre Tiere krank waren. Sie half in vielen Nöten und ihr werden posthum viele Wundertaten nachgesagt.
Ist sie heute noch präsent?
Ja. Alle zehn Jahre werden zu ihrem Gedenken Edigna-Festspiele aufgeführt. Diese Tradition wurde 1959 zum 850. Todestag ins Leben gerufen. Im Frühjahr finden sie wieder statt. Der Edigna-Verein ist in den Vorbereitungen.
Es gibt auch einen Edigna-Verein?
Ja. Seine Aufgabe ist es, die Festspiele zu organisieren. Regisseur Marcus Everding hat uns für 2019 das Stück „Ex Voto Edigna – was vom Baum blieb“ geschrieben und inszeniert es mit Laienschauspielern. Der Verein hält aber auch zwischen den Festspielen das Dorfleben lebendig, mit sozialen und kulturellen Angeboten. Das reicht hin bis zu einer Mutter-Kind-Gruppe.
Edigna hält also das Dorf zusammen?
Wir haben eine gute Gemeinschaft und versuchen, auch Zugezogene herzlich aufzunehmen. Der Ort wächst, Familien ziehen her. Der Verein spürt schlummernde Talente auf. Sie werden für die Festspiele gebraucht: Alles wird in Eigenarbeit ehrenamtlich gemacht, von den Kostümen bis zum Bühnenbild.
Interview: Aglaja Adam
Termine und Karten
Premiere der Edigna-Festspiele ist am 23. Februar. Weitere Termine sind am 24. Februar, 2./3. März, 9./10. März und 16./17. März. Karten gibt es ab Mitte Dezember unter Telefon (0 81 41) 34 99 66 oder (0 81 41) 35 54 40.