München – Zehn Jahre nach dem Ende seiner glücklosen Kurz-Amtszeit wird Bayerns ehemaliger Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) am heutigen Freitag 75 Jahre alt. Der jetzige Amtsinhaber Markus Söder (CSU) würdigt den ehedem über Jahre beliebtesten CSU-Politiker Bayerns mit den Worten: Beckstein sei ein „echter Franke, leidenschaftlicher Politiker und ein großartiger Mensch“. Beckstein habe sich als langjähriger Innenminister und Ministerpräsident um seine Heimat verdient gemacht. „Alles Gute, Günther.“
Beckstein hat sich seit seinem Ausscheiden aus dem Landtag 2013 weitestgehend aus der Politik zurückgezogen. Während des Landtagswahlkampfs gab er mehrere Interviews, ansonsten ist es still um ihn geworden.
Beckstein war von seinen Parteifreunden nach dem Verlust der absoluten CSU-Mehrheit bei der Landtagswahl 2008 nach nur einem Jahr aus dem Amt gedrängt worden. An die Maxime, seine Nachfolger nicht öffentlich anzugreifen, hat er sich immer gehalten – wiewohl ihm das nicht leichtfiel: „Ich musste mir manchmal auf die Zunge beißen“, sagte er 2013.
Als Innenminister von 1993 bis 2007 galt der Nürnberger als „schwarzer Sheriff“. Den Ruf des harten Hundes beförderte Beckstein selbst nach Kräften: „Ich bin lieber ein Hardliner für Recht und Ordnung als ein Weichei für Unrecht und Unordnung.“
Doch im persönlichen Umgang war Beckstein alles andere als ein Scharfmacher, seine selbstironischen Scherze gingen häufig auf eigene Kosten: „Nachdem Stoiber nichts gesagt hat, weiß ich noch nicht, was mein Wille ist“, sagte er einmal mit Blick auf den damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU). Als schwerste Niederlage neben der Landtagswahl 2008 nannte Beckstein immer ein Jahrzehnte zurückliegendes Ereignis: 1987 wollte er Nürnberger Oberbürgermeister werden und verlor.
Das Loslassen von der Politik im Jahr 2008 war für den Franken „kurz und schmerzhaft“, wie er gerade in einem Interview mit den „Nürnberger Nachrichten“ bekannte. Für ihn war damals klar: „Das Wahlergebnis war anders, als ich es mir gewünscht hatte, als die Partei es sich gewünscht hatte. Ich habe nicht mehr für das Amt des Ministerpräsidenten kandidiert.“ Doch er erinnert sich noch genau an die Minute, in der Horst Seehofer zu seinem Nachfolger gewählt worden war. Plötzlich war alles weg: das ganze Büro, die Mitarbeiter, der Fahrer. „Wer bringt mich jetzt nach Hause?“, sei ihm damals durch den Kopf geschossen. Obwohl er als Politiker oft allein per U-Bahn heimgefahren war – an diesem Tag wollte er es nicht. Nach längeren Diskussionen erklärte sich schließlich ein Polizeibeamter bereit, ihn nach Hause zu begleiten. Rückblickend sagt Günther Beckstein, dass er seinen Frieden gemacht habe: „Ein Leben nur mit Höhen wäre furchtbar.“ Und anders als bei vielen anderen Politikern glauben ihm das sogar die Parteifreunde. lby/cm