MVV: Durchbruch im zweiten Anlauf

von Redaktion

Der „gordische Knoten“ ist wohl durchschlagen: Bei der MVV-Gesellschafterversammlung soll die große Tarifreform heute nun endlich beschlossen werden. Versprochen sind günstigere Tarife für die „breite Mehrheit“.

VON DIRK WALTER

München – Es war ein großer Knall. Fast alle Landkreise hatten die MVV-Tarifreform im Herbst dieses Jahres schon beschlossen – nur der Landkreis München nicht. Dort ärgerten sich etliche Bürgermeister über eine Benachteiligung ihrer Einwohner: Wer etwa von Ismaning, Garching oder Unterschleißheim in Randbereiche der Stadt München gefahren wäre, hätte die gesamte neue M-Zone mitzahlen müssen.

M-Zone ist die Zone, die ganz München umfasst, von Aubing bis Haar, von Feldmoching bis Planegg. Die Bürgermeister, von denen viele auch im Kreistag sitzen, weigerten sich, für diese Reform die Hand zu heben. Als dann Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kurz vor der Wahl auch noch seine Idee eines 365-Euro-Jahrestickets in Umlauf brachte, gab es eine grundlegend neue Situation. Die Reform wurde abgesetzt und neu verhandelt.

Jetzt schießt der Freistaat – erstmals – Geld zum MVV dazu: 35 Millionen Euro pro Jahr. Die Stadt München gibt weitere 35 Millionen. Damit konnten „Preishärten“, die noch im Herbst unumgänglich schienen, abgeschwächt oder komplett beseitigt werden. Zudem gibt es – im Unterschied zum ersten Reformentwurf – mehr Überlappungsbereiche. Wer in die M-Zone nur kurz reinfährt, muss nicht die gesamte M-Zone bezahlen. Beispielsweise wurden die Fahrgastströme zu den vielen Arbeitsplätzen am Frankfurter Ring berücksichtigt. Einzelne Gemeinden wie Aying oder Unterschleißheim wurden beispielsweise auf eine günstigere Zonengrenze verlegt. Das Geld wird aber auch dafür verwendet, um die M-Zone noch einmal zu vergünstigen: Statt 59,90 Euro soll die Monatskarte nur 55,20 Euro kosten – die Jahreskarte im Abo mit jährlicher Zahlung sogar weniger als 44 Euro. 1- bis 2-Ring-Kunden zahlen künftig nicht mehr als bisher, können aber das gesamte Stadtgebiet nutzen. Wer drei Innenstadt-Ringe hatte, zahlt künftig 17 Prozent, wer vier Ringe hatte, sogar 30 Prozent weniger. Bei der Streifenkarte erhöht sich der Rabatt auf 15 Prozent gegenüber dem bisherigen Preis. Neu ist auch die spezielle günstigere Streifenkarte für Jugendliche unter 21.

Die MVV-Gesellschafter OB Dieter Reiter, Verkehrsminister Hans Reichhart und Landrat Robert Niedergesäß haben auch auf Übergangsregelungen geachtet: Mehrere hunderttausend MVV-.Zeitkartenbesitzer müssen zum 15. Dezember 2019 auf den neuen Tarif umgestellt werden – und niemand soll dadurch Nachteile haben. Weil es in den meisten Fällen billiger wird, können viele MVV-Nutzer mit Rückbuchungen rechnen. Für eine Anzahl von Zeitkarten gebe es auch Preisaufschläge, räumen die Macher der Reform ein. In diesen Fällen müsse der Aufschlag erst nach Ablauf des aktuell laufenden Abo-Jahres bezahlt werden. Von den Papiertickets soll übrigens 2019 auf elektronische Chipkarten umgestellt werden.

Auch Einzel-Fahrscheine werden zum Teil teurer – dem könne man aber durch Kauf einer Streifenkarte aus dem Weg gehen. Betont wird, dass weder Stadt- noch Landkreisbewohner bevorzugt würden. Geht die Reform wie erwartet heute durch, sind die Kreis- und Stadträte gefragt: In allen acht Landkreise und in der Stadt München müssen die Gremien noch zustimmen.

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