Nur die Amsel ist ein Star

von Redaktion

Bayerische Gymnasiasten kennen die heimischen Vögel kaum noch. Eine Studie zeigt, dass sie nur fünf der 15 häufigsten Singvögel kennen. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre erkannten sie im Durchschnitt eine Art weniger.

Hilpoltstein/München – Amsel, Drossel, Fink und Star – kann kaum ein bayerischer Schüler noch auseinanderhalten. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler vom Institut für Didaktik der Biologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wie der Landesbund für Vogelschutz (LBV) im mittelfränkischen Hilpoltstein mitteilt. Die Forscher haben demnach für eine Studie knapp 2000 bayerische Schüler aller Schularten zwischen zehn und 19 Jahren befragt und dabei herausgefunden, dass sie im Schnitt nur fünf von 15 häufigen Singvogelarten richtig benennen konnten.

Besonders aussagekräftig sind die Ergebnisse laut Mitteilung für die rund 1400 beteiligten Gymnasiasten. Die Gymnasiasten der G8-Struktur hätten schlechter abgeschnitten als eine vergleichbare Gruppe aus dem Jahr 2007 im damaligen G9-Format. „Gymnasiasten erkannten im Schnitt eine Art weniger als vor zehn Jahren. Das entspricht einem Rückgang der Artenkenntnis von beinahe 20 Prozent innerhalb eines Jahrzehnts“, sagte Studienleiter Thomas Gerl.

Die bekannteste Vogelart sei die Amsel. Gut drei Viertel der Teilnehmer hätten sie erkannt. Einen Spatzen habe nur noch etwas mehr als ein Drittel zu identifizieren vermocht. Der Buchfink, immerhin der häufigste einheimische Singvogel, sei nur von 14 Prozent der Schüler richtig benannt worden.

Die aktuellen Ergebnisse lägen auf einem deutlich niedrigeren Niveau als 2007, so Gerl: „Keine einzige Vogelart wurde heute deutlich besser erkannt als noch vor zehn Jahren. Bei zwei Drittel der untersuchten Arten ging die Bekanntheit sogar dramatisch zurück.“ Mädchen hätten signifikant besser abgeschnitten als Buben, Schüler aus städtischen Ballungszentren besser als Landbewohner. „Dies könnte eine Folge des dramatischen Rückgangs der Vogelzahlen im ländlichen Raum sein, wo Kinder kaum noch Vogelarten beobachten können.“

Gerl nannte die Ergebnisse besorgniserregend. Wenn die Artenkenntnis schwinde, werde es bald niemanden mehr geben, der noch merke, welche Arten aussterben würden. Die Schulen sollten sich daher stärker mit der heimischen Tier- und Pflanzenwelt beschäftigen.

Auch die LBV-Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“ sei hilfreich. Schüler, die daran teilgenommen hätten, hätten durchschnittlich fast zwei Arten mehr erkannt. Die nächste Wintervogel-Zählung findet vom 4. bis 6. Januar 2019 statt. mm/kna

Das kleine Vogel-Rätsel

Na, haben Sie die Singvögel auf den Fotos auf Anhieb erkannt?

In der oberen Reihe sehen Sie von links nach rechts: Ein Amselmännchen, eine Drossel, einen Buchfink und einen Star. In der zweiten Reihe von links nach rechts: eine Blaumeise, ein Eichelhäher, ein Rotkehlchen und ein Spatz. Fotos: dpa (7)/LBV

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