UNSERE HEIMATSPITZE

Ein bayerisches „Heritage“

von Redaktion

VON BEZIRKSHEIMATPFLEGER NORBERT GÖTTLER

Waren’s schon mal in einem englischen oder schottischen Castle? Oder in einem Cloister, äh, Kloster? Da können’s gar nicht so schnell schauen, dass Sie nicht ein rüstiger Rentner an der Hand nimmt und Ihnen alle Sehenswürdigkeiten seit dem achten Jahrhundert durchdekliniert. Dann übergibt er Sie an den nächsten, freudestrahlenden Kollegen, denn jeder Raum hat seinen eigenen Spezialisten!

Draußen mähen Freiwillige den Rasen und die Damen der Gesellschaft schmieren derweil Sandwiches oder brühen Tee auf fürs Kreuzgang-Cafe nebenan. Nirgendwo gibt es mehr Solidarität der Bevölkerung mit ihrem nationalen Kulturerbe als auf der Insel. Das mag tausend Gründe haben, aber zwei davon heißen „National Heritage“ und „National Trust“ – millionenschwere Kulturstiftungen, die aber allergrößten Wert auf Ehrenamtlichkeit und Bodenhaftung legen.

Wagen wir einen Blick ins eigene Nest? Der Schutz von historischen Gebäuden und Ensembles löst hierzulande nicht selten kontroverse Diskussionen aus. Während man in fremden Ländern selbstverständlich denkmalgeschützte Objekte als Reiseziel erwartet, hapert’s zu Hause oft an Verständnis und Engagement. Handelt es sich dabei um eine besonders hartnäckige Form von Kultur-Schizophrenie? Dabei hat der Gedanke des Denkmalschutzes eine lange und, zumal in Bayern, ebenfalls königliche Geschichte. Dass das bauliche Erbe eines Volkes geschützt werden muss, ist eine Grundüberzeugung der Romantik des frühen 19. Jahrhunderts.

In Bayern war es König Ludwig I., der diesen Bestrebungen zum Durchbruch verhalf. Nach französischem Vorbild schuf er 1835 das Amt des „Generalinspektors der plastischen Denkmäler des Mittelalters“. Bald schon wurde diese Stelle dann „Selbstständige Behörde zur Pflege aller Denkmäler Bayerns“, 1908 dann „Landesamt für Denkmalpflege“ genannt. Nach und nach erfuhr die Arbeit dieser Behörde eine territoriale und inhaltliche Ausdehnung, auch auf die archäologische Denkmalpflege hin.

Von Beginn des Denkmalgedankens an war klar, dass der Staat darin zwar eine wichtige, auch regulierende Rolle einnehmen müsse, dass Denkmalpflege aber immer eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, die von der Bevölkerung, aber auch von Stiftungen, Bezirken und Kommunen mitgetragen und unterstützt werden müsse.

Mit sehnsüchtigen Blicken hat so mancher nach Großbritannien geblickt, wo die genannten Stiftungen sich mit viel Herzblut um denkmalgeschützte Gebäude kümmern, die dort noch in viel größerem Umfang vorhanden sind als bei uns. Nun, ein Königshaus à la Windsor haben wir nicht als Gönner, aber viele Idealisten und Freunde, die sich dieser Tage zum „Kulturerbe Bayern“ zusammengeschlossen haben und Ähnliches erreichen wollen wie die Kolleginnen und Kollegen jenseits des Ärmelkanals.

Viele erfolgreiche Jahrhunderte, ja, was sagen wir, Jahrtausende sind dieser Neugründung zu wünschen, und dazu viele Anregungen durch unsere britischen Vorbilder, denen diese Ehre wirklich gebührt. Des muaß ma eana pfeigrod lassn – Brexit hin, Brexit her!

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