München – Die Landtags-CSU will Naturheilkunde an den bayerischen Universitäten stärker verankern. Deshalb hat die Fraktion die Staatsregierung aufgefordert, bei den Universitäten anzuregen, dass eine Professur für Naturheilkunde eingerichtet wird. Damit solle die Forschung im Bereich der komplementären und der integrativen Medizin weiter gestärkt werden, sagte Bernhard Seidenath, der gesundheitspolitische Sprecher der CSU. Außerdem müsse sich die Staatsregierung dafür einsetzen, dass die Forschungsmittel für die Naturheilkunde insgesamt erhöht werden. „Wir meinen, dass die Patienten bei einem verbesserten Zusammenspiel von Komplementär- und Schulmedizin profitieren werden“, sagte er.
Der Wissenschaftsrat der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) hat diese Pläne in einem offenen Brief scharf kritisiert. Er reagierte damit auf den Besuch zweier Vertreter von homöopathischen Therapien im Landtag in dieser Woche, die im Gespräch mit Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) für die Verankerung der Homöopathie an den Unis warben.
Die Homöopathie sei nach wissenschaftlichem Konsens eine Scheintherapie, betont die GWUP in dem Schreiben an die Gesundheitsministerin. Ihr dürfe kein Platz im öffentlichen Gesundheitswesen eingeräumt werden. Die Methode könne nicht der Naturheilkunde zugerechnet werden. Die Einrichtung eines Lehrstuhls für Homöopathie würde ihren Stellenwert in der öffentlichen und politischen Wahrnehmung stärken. „Das wäre nach unserer Ansicht fatal“, betont die GWUP in ihrem Appell an die Staatsregierung. Unwissenschaftliche Methoden zu fördern wäre ein Rückschritt, eine Ressourcenverschwendung und das Gegenteil einer sich als modern verstehenden Gesundheitspolitik. mm