Royaler Besuch in Altötting

von Redaktion

Die Kronen aufgesetzt, den Stab mit dem Stern in die Hand genommen und das Weihrauchfass geschwungen – nach Weihnachten ziehen die Sternsinger wieder durchs Land. Heute werden sie in Altötting entsandt.

VON BARBARA JUST

Altötting – Royaler Besuch aus ganz Deutschland hat sich für heute angekündigt: In Altötting werden hunderte kleiner Könige und Königinnen erwartet. Erstmals findet die Eröffnung der Sternsingeraktion, die vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend BDKJ getragen wird, in dem Marienwallfahrtsort statt. Der Passauer Bischof Stefan Oster feiert mit den Sternsingern einen Wortgottesdienst in der Basilika Sankt Anna und entsendet sie danach in die Welt.

Die größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder steht dieses Mal unter dem Motto „Segen bringen, Segen sein. Wir gehören zusammen – Peru und weltweit“. Bundesweit werden rund um den 6. Januar wieder 300 000 Mädchen und Buben von Tür zu Tür gehen, um ihren Segen in die Häuser der Menschen zu tragen und um Spenden für ihre Altersgenossen in Not zu erbitten. Seit dem Start der Aktion 1959 konnte bisher über eine Milliarde Euro gesammelt werden. Mehr als 73 000 Projekte und Hilfsprogramme für Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa wurden so gefördert.

Beispielland ist 2019 das südamerikanische Peru. Besonders im Fokus stehen Kinder, die dort und anderswo mit einer Behinderung zurechtkommen müssen. Auf dem Poster zur Aktion ist die achtjährige Angeles mit zwei Freundinnen zu sehen. In ihren weißen Blusen und rot karierten Röcken spielen die dunkelhaarigen Mädchen mit ihren Händen ein Klatschspiel. Sie lachen und freuen sich. Dabei tritt ganz in den Hintergrund, dass Angeles im Rollstuhl sitzt.

Seit der Geburt hat das Mädchen eine Muskelschwäche. Es kann nicht laufen. Manchmal ist Angeles traurig, denn immer braucht sie Hilfe, wenn sie wohin möchte. Das Haus der Familie liegt ausgerechnet auf einem steilen Hang. Jeden Tag trägt die Mutter ihre Tochter die vielen wackeligen Stufen hinunter und wieder hinauf. Wo keine Treppen sind, benutzen sie einen alten Kinderbuggy. Umziehen wäre zwar eine schöne Sache, kommt aber nicht infrage, weil sich die Familie das nicht leisten kann.

Gut, dass es Yancana Huasy, das Zentrum für Kinder mit Behinderungen, gibt. Die Einrichtung liegt in einem armen Viertel der peruanischen Hauptstadt Lima und betreut täglich über tausend Kinder und deren Familien. Dort erhält auch Angeles physiotherapeutische Behandlungen, damit ihre Muskeln gestärkt werden. Und noch etwas haben die Mitarbeiter des Zentrums erreicht: Sie organisierten ihr einen Rollstuhl, damit Angeles wie alle Kinder eine ganz normale Schule besuchen kann, in der auch die Lehrer wissen, wie sie mit behinderten Schülern umzugehen haben.

Kinder mit Behinderung haben es im Alltag nicht leicht. Die Probleme liegen im Umfeld und in der Umgebung. „Behindert ist man nicht – behindert wird man!“, lautet der mahnende Aufruf im Spezial-Heft zur Sternsingeraktion. Bei vielen Sternsingergruppen ist „Inklusion“ längst kein Fremdwort mehr. Die 13-jährige Julia aus Heidelberg etwa lernt zwar, weil sie das Downsyndrom hat, langsamer als ihre gesunden Altersgenossen. Aber seit ihrer Erstkommunion ist sie jedes Jahr als Sternenträgerin dabei. „Weil es einfach Spaß macht.“ Für die anderen ist das kein Problem. „Julia hat einen tollen Humor. Man kann mit ihr gut lachen“, sagen sie.

Auch der zehnjährige Fabian aus Marktl am Inn (Kreis Altötting) ist begeisterter Sternsinger. „Wir sind eine ganz normale Familie“, betont er. Doch weil sie alle kleinwüchsig seien, musste sein königlicher Umhang ein wenig gekürzt werden. Und weil es schwierig ist, mit seinen kurzen Beinen längere Strecken zu gehen, ist er in einem Gebiet eingeteilt worden, wo die Häuser und Höfe nur mit dem Auto zu erreichen sind.

Die Heiligen Drei Könige sollen einst mit Kamelen unterwegs gewesen sein. Tatsächlich waren bei der Sternsinger-Eröffnung 2004 in Lindau schon mal echte dabei. In Peru sind deren Verwandte, die Lamas, zu Hause. Mal sehen, ob sich eines auch nach Altötting verirrt.

Artikel 4 von 11