Die große Hornschlitten-Gaudi

von Redaktion

Am Anfang war es eine Schnapsidee. Dann wurde das Partenkirchner Hornschlittenrennen zur Gaudiveranstaltung – und heute ist es nicht weniger als der Kampf um den Bayerischen Meistertitel. Am Sonntag findet das Rennen zum 50. Mal statt.

VON KATHRIN BRACK

Garmisch-Partenkirchen – Ein Winterabend im Werdenfelser Land, Dezember 1969. Am Stammtisch debattiert eine Gruppe Partenkirchner darüber, wer grundsätzlich und am besten einen alten Hornschlitten fahren könne. Schorsch Reindl nennt sich einen „Superfahrer“, immerhin fährt er oft: nachts und mit Gästen von der Partnachalm ins Tal. Sie werden sich nicht einig, eine Wettfahrt muss es richten. Mit vier Mann pro Schlitten, am Dreikönigstag, wenn es finster ist.

Sieben Teams gehen am 6. Januar 1970 an den Start. Die Zeiten nehmen sie mit zwei Armbanduhren, als Rennvorbereitung feiern sie ein Fest auf der Alm. Punkt 20 Uhr gibt der Taubervater vom Balkon aus mit dem Gewehr den Startschuss. Einer erschrickt derartig, dass er von der Piste fällt. Ein anderer verirrt sich in der Finsternis. Als das Siegerteam nach ungefähr vier Minuten und ebenso vielen Stürzen im Ziel ankommt, ist das Gesicht von Steuermann Bartl Erhardt vom Sturz ins Gebüsch blutverschmiert – und Schorsch Reindl ist nicht unter den Siegern.

Heute, 49 Rennen später, treten die tollkühnen Hornschlittenfahrer bei Tageslicht an. Die Strecke über den Hohen Weg nahe der Partnachklamm wurde auf 1,1 Kilometer verkürzt. 80 Herren- und zehn Damenteams waren es vergangenes Jahr, aus dem Oberland, aber auch aus dem Schwarzwald oder der Slowakei. Heute um 16 Uhr endet die Anmeldefrist, am Abend ziehen sie bei einer großen Feier die Startnummern. Wer bei der Abnahme morgens am Renntag nicht einen Schlitten nach „Werdenfelser Bauart“ vorweisen kann, wird nicht zur allgemeinen Wertung zugelassen.

Das Reglement zum Hornschlittenrennen ist streng und besteht aus 38 Punkten. „Immerhin geht’s um die Bayerische Meisterschaft“, sagt Peter Strodl. Der Partenkirchner, selbst mehrfacher Sieger, ist seit 21 Jahren Vorsitzender des Partenkirchner Hornschlittenvereins und feiert heute seinen 65. Geburtstag. „Für viele Teilnehmer ist es freilich eine Gaudi“, sagt er, „aber wir nehmen das Rennen ernst.“ Ein harter Hund müsse man sein, um die Strecke mit einem Durchschnittsgefälle von 18 Prozent und Geschwindigkeiten bis zu 80 Stundenkilometern zu fahren.

Seit September werkeln sie an der Strecke. Ein Training auf der Bahn werden sie dieses Jahr wahrscheinlich nicht machen, sagt Strodl. „Durch das Bremsen mit den Tatzen wird sie schon arg ramponiert.“ Dank des Schnees der letzten Tage gibt es genügend verschneite Waldwege. „Sogar auf den Skiabfahrten probieren’s manche aus.“

Auf der Piste hat auch Franziska Kriner den gestrigen Tag verbracht. Die 22-jährige Erzieherin und ihre Freundinnen Babette, Christine und Maria treten dieses Jahr zum ersten Mal an, Teamname „De, de no nia auf am Schlittn ghockt san“. Gestern haben sie sich zum ersten Training getroffen.

Den Hornschlitten haben sie vom Verein geliehen, acht Stück hüten Strodl und seine Leute. „Wir wollten schon lang mitfahren“, sagt Franziska Kriner. „Mit einem Hornschlitten fährt man nicht jeden Tag.“ Das macht sich bei den ersten Testläufen kaum bemerkbar: „Nur ein Mal sind wird quer gestanden“, erzählt die 22-Jährige, „es hat richtig Spaß gemacht.“ Nervös seien sie vor dem Rennen schon ein bisserl. „Aber Angst haben wir keine.“

Die größte Angst des Hornschlitten-Chefs war stets die Witterung. Dieses Jahr sind die Aussichten rosig: „Wir haben allein gestern 30 Zentimeter Neuschnee dazubekommen“, sagt Peter Strodl. „Da bring ma a super Rennen zam.“

Das Hornschlittenrennen

startet am Sonntag, 6. Januar, um 12.30 Uhr am Hohen Weg zur Partnachklamm, bis 12 Uhr sollten die Zuschauer an der Strecke sein. Erwachsene zahlen 8 Euro Eintritt, Jugendliche ab 13 Jahren 5 Euro, Kinder bis 12 Jahre haben freien Eintritt. www.hornschlitten.de

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