Eine Stadt in Sorge nach der Prügelattacke

von Redaktion

Vier betrunkene junge Asylbewerber schlagen vergangenen Samstag in Amberg wahllos auf Passanten ein – über diesen Vorfall diskutiert nun die halbe Republik. Der Oberbürgermeister warnt davor, die Taten politisch auszuschlachten.

Amberg – Amberg in der Oberpfalz hat 42 000 Einwohner – und ist seit Samstag Hauptgesprächsthema. Nach der Prügelattacke der vier Asylbewerber, die zwölf Passanten verletzten (siehe Bericht unten) wird wieder über mögliche Verschärfungen beim Asyl- und Abschieberecht diskutiert.

Die Vorfälle sind aber natürlich auch ein Gesprächsthema in der Stadt. „Wir sind klein und verschlafen, dachte ich bisher immer“, sagt eine 33-jährige Passantin in Amberg. Eine solche Attacke habe sie nicht für möglich gehalten. Normalerweise passiere so etwas „weit weg“, sagt eine andere Einwohnerin, „jetzt direkt hier am Bahnhof, das ist schon verrückt“. Eine weitere Frau sagt, sie denke jetzt über einen kleinen Waffenschein für ein Pfefferspray nach. Die Täter hätten ebenso Deutsche sein können, sagt indes ein Mann. Die Tat passe wohl Bundesinnenminister Horst Seehofer „gut in den Kram“.

Oberbürgermeister Michael Cerny, ein CSU-Politiker, ist in zahlreichen Interviews bemüht, die Vorfälle weder zu dramatisieren noch kleinzureden. Trotz allem hätten Polizei und Justiz „einen sehr, sehr guten Job gemacht“. Man habe vielleicht auch etwas Pech, dass die Attacken „in einer medial schwachen Zeit“ geschehen seien. Freilich, so Cerny, er könne schon nachempfinden, dass sich jetzt mancher Amberger frage, ob er in der Stadt noch sicher sei. „Wir haben die letzten Jahre eigentlich rückgehende Zahlen gehabt im Bereich der Gewaltdelikte“, sagt er weiter. Auch die Aufklärungsquote der Polizei sei ansteigend. Dann fügt der OB an: Ihm sei wichtig, nicht jeden Flüchtling unter Generalverdacht zu stellen.

Prompt überzog die örtliche AfD den Oberbürgermeister mit Angriffen. Der CSU-Politiker sei Teil einer „links-grünen Gutmenschen-Gemeinschaft“ und ein „Refugee-Welcome-Politiker, der „groteske Schwurbeleien“ von sich gebe. Fünf AfD-Politiker, an der Spitze die Landtags-Fraktionsvorsitzende Katrin Steiner-Ebner, besuchten gestern demonstrativ die Amberger Polizei, wo sie ohne Presse mit Vertretern des Polizeipräsidiums und der Inspektion reden konnten. Da die AfD im Landtag vertreten sei, könne man der Partei dies nicht verwehren, hieß es bei der Polizei.

Zudem machten gestern Fotos von einer vierköpfigen Patrouille der NPD die Runde – ortsfremde Neonazis, die aus Rosenheim und Nürnberg angereist waren und am Mittwoch mit roten Warnwesten (Aufschrift: „Wir schaffen Schutzzonen“) durch die Innenstadt gelaufen waren – ohne dass die Polizei dies wusste.

Um Rechtsradikalen nicht allein das Feld zu überlassen, fuhr auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gestern nach Amberg und sprach mit der Polizei. Man verurteile die Straftaten, sagte Ministerpräsident Markus Söder, „aber auch, dass jetzt bestimmte rechtsextreme Gruppen versuchen, das zu missbrauchen“. Bürgerwehren von NPD oder AfD werde man nicht zulassen. Die Polizei werde das unterbinden.  lby/dw

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