Regensburg – Ein Rennrad von Franz Josef Strauß neben Lederhosen der Well-Brüder, die Gitarren des Gstanzlsängers Roider Jackl neben den Musikinstrumenten der Spider Murphy Gang – im neuen Museum am Regensburger Donauufer soll Geschichte erzählt werden. Auf 36 Bühnen werden historische Momentaufnahmen eingefangen, zudem gibt es neun Kulturkabinette zu Sport, Kunst, Sprache, Glaube und Politik.
Museumschef Richard Loibl, der auch das Haus der Bayerischen Geschichte in Augsburg leitet, will einen weiten Bogen spannen, um die Geschichte des Freistaats aus allen möglichen Blickwinkeln zu erzählen. Er wagt sich bis nach Chicago, wo sich Bayern 1893 auf der Weltausstellung erstmals international präsentierte. Es ist so etwas wie die Geburtsstunde des Bayern-Mythos, von dem der Freistaat bis heute – Stichwort Tourismus – zehrt. Sonderschiffe der Münchner und fränkischen Brauereien exportierten damals Bier in die neue Welt, erzählt Loibl. Das bayerische Nationalgetränk wurde mit Kühlmaschinen trinkbar gehalten, die die Firma Linde kurz zuvor erst erfunden hatte. „Die Menschen waren damals wochenlang im Heimatrausch.“ Unter der Überschrift „Ois Chicago“ wird das auf einer der 36 Bühnen im neuen Museum erzählt.
Für das Museum wurde auch BR-Moderator Christoph Süß („quer“) gewonnen, der von Bayern in einem 25-minütigen Film erzählen wird. Er schlüpft in 39 historische Rollen, unter anderem in die des Barockbaumeisters Egid Quirin Asam.
Viele Ausstellungsstücke stammen aus privater Hand, beispielsweise der Teddybär eines aus Schlesien nach Bayern vertriebenen Buben, das Holzpferd, das ein Regensburger bei einem russischen Kriegsgefangenen für einen Laib Brot eintauschte. Oder auch der Metallstern und der Ausweis, den der kleine Kurt Fischbacher in der Nachkriegszeit von amerikanischen Soldaten des Military Hospital in München-Schwabing erhielt – ehrenhalber, denn er war das Maskottchen ihrer Baseballmannschaft. Der Landtag steuerte einen Wandteppich bei, der bis 2014 im Senatssaal hing.
Ursprünglich sollte das Museum schon im vergangenen Jahr eröffnet werden – pünktlich zum 100. Geburtstag des Freistaats. Ein Brand verzögerte die Eröffnung, die nun im Mai geplant ist. epd/dw