Jede Woche beantwortet ein Oberbayer Fragen rund um seine Heimat. Peter Woderschek, 72, ist Österreicher und lebt seit 1987 mit seiner Familie in Kottgeisering im Kreis Fürstenfeldbruck. Er ist im Ort fest verwurzelt.
Wie war es, als Österreicher in ein Dorf wie Kottgeisering zu ziehen?
Ich habe Kottgeisering immer als einen offenen und lebendigen Ort erlebt. Wenn man dazugehören will, findet man schnell Anschluss.
Wie sind Sie denn auf Kottgeisering gekommen?
Als ich 1987 beruflich nach München kam, war es auch damals schon schwierig, bezahlbare Wohnungen zu finden. Wir haben den Kreis um die Stadt immer größer gezogen und sind schließlich in Kottgeisering gelandet. Bis heute haben wir es nie bereut, hierhergezogen zu sein.
Was macht Kottgeisering lebenswert?
Das Dorf ist in den vergangenen 30 Jahren moderat von 1250 auf 1500 Einwohner gewachsen. Jeder kennt jeden und für jeden ist etwas geboten. Es gibt zwölf Vereine, darunter sehr aktive. Das Dorffest Anfang Juli stellen alle zusammen auf die Beine, da zeigt sich unser toller Zusammenhalt.
Wo haben Sie Ihren Platz gefunden?
Ich habe 20 Jahre den Männergesangsverein und den Kirchenchor geleitet, war im Vorstand des Obst- und Gartenbauvereins und 18 Jahre im Gemeinderat – ja, das geht als Exil-Österreicher auf Kommunalebene. Im Ruhestand habe ich die Ämter abgegeben, bin aber noch Mitglied in verschiedenen Vereinen.
Gibt‘s in Kottgeisering Geschäfte und ein Wirtshaus?
Da erging es Kottgeisering leider wie anderen Dörfern. Der Metzger hat geschlossen, der Tante-Emma-Laden auch. Wir haben aber noch einen gut sortierten Bäcker. Ein Discounter wurde vor einigen Jahren abgelehnt. Er sollte an einem sehr prominenten Platz errichtet werden und hätte das Ortsbild schon verändert. Das klassische Wirtshaus haben wir nicht, aber im Sportlerheim gibt es noch einen recht guten Italiener.
Wo ist Ihr liebster Platz?
Ich wohne sehr schön am Rand des Ampermooses. Dort gibt es einen Vogelturm, von dem aus man seltene Vögel beobachten kann. Mit unseren E-Bikes fahren wir gerne die Endmoräne vom Moos rauf, da hat man eine wunderschöne Sicht Richtung Alpen. Zum Ammersee ist es auch nicht weit, grad mal sechs Kilometer. Im Sommer kann man sich auch in der Amper abkühlen. Bei der Gaststätte Dampferschiff in Grafrath ist eine gute Badestelle und hinterher kann man wunderbar dort im Biergarten einkehren.
Gibt es etwas, was Sie sich wünschen?
Ich bin eigentlich rundum zufrieden. Perspektivisch würde ich mir wünschen, dass sich Bedenken gegenüber erneuerbaren Energien zerstreuen. Denn da sehe ich noch großes Potenzial. Aber die Themen Fotovoltaik und Windkraft haben die Kottgeiseringer schon einmal gespalten.
Interview: Aglaja Adam