Jede Woche beantwortet ein Oberbayer Fragen rund um seine Heimat. Stephan Kögl, 40, lebt – mit Ausnahme seiner Wanderjahre in Berlin, St. Moritz und Afrika – seit der Geburt in Schwabbruck im Landkreis Weilheim-Schongau. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und betreibt in vierter Generation das Wirtshaus „Schäferwirt“, seit 2009 auch den Veranstaltungssaal „Kuhstall“.
Herr Kögl, was ist das Besondere an Schwabbruck?
Ohne dass ich jetzt unser Dorf über andere stellen will, finde ich doch bemerkenswert, dass wir hier drei funktionierende Wirtshäuser haben. Für tausend Einwohner nicht übel. Und wir haben eine tolle Dorfgemeinschaft: Die Leute stellen gemeinsam viel auf die Beine, etwa unser Dorffest.
Ist das das wichtigste Fest in Schwabbruck?
Dazu hat es noch nicht ganz die Tradition. Das wichtigste Fest ist wohl das Gartenfest der Blasmusik. Das findet jedes Jahr im Juli im Pfarrgarten statt: mit Bier vom Fass, Gegrilltem und Spielen für die Kinder. Da kommen wirklich alle Schwabbrucker zusammen.
Wie ist die Versorgung bei Ihnen?
Metzger und Getränkemarkt haben leider nicht geklappt, aber wir haben eine gute Bäckerei, die auch Dorfladen ist: Beim Bäcker Feustle gibt’s übrigens ein sensationelles dunkles Roggenbrot und einen feinen Nusszopf.
Gibt es viele Zugezogene?
Ja, im Neubaugebiet. Ich empfinde das als Kompliment für die Gemeinde, weil sie sich hier wohlfühlen. Und auch etliche Flüchtlinge – was im Zusammenleben trotz der konservativen Kultur gut klappt. Auch bei mir in der Wirtschaft haben wir zwei im Team. Die Leute haben sich als sehr offen erwiesen: Dann bestellt halt mal einer sein Bier auf Englisch.
Sie haben ja mit Ihrem „Kuhstall“ die Kultur nach Schwabbruck gebracht…
…was gar nicht so geplant war. Das war so ein Nebenbei-Projekt. Aber der „Kuhstall“ befriedigt mit Musik und Kabarett bei den Leuten das kulturelle Bedürfnis – auch, wenn sie vorher gar nicht wussten, dass sie eins haben. Das ist für mich persönlich ein Grund, warum ich es hier ganz gut aushalte: Heute kommt die weite Welt ein Stück weit zu uns.
Wie finden es die Künstler in Schwabbruck?
Das Feedback ist sagenhaft. Der Keller Steff etwa war 2018 drei Mal da. Und die Leute arbeiten gerne das, was sie in Schwabbruck beobachten, in ihr Programm ein. Etwa, dass wir hier an der Grenze zwischen Oberbayern und Allgäu leben. Ein unerschöpfliches Thema!
Was seid ihr denn, Oberbayern oder Allgäuer?
Irgendwas dazwischen. Bei der Mentalität, der Küche und der Sprache merkt man das Allgäu schon – da sind wir sicherlich nicht die kernigen Oberbayern.
Haben Sie einen Lieblingsplatz?
Zwischen Schwabbruck und Huttenried steht eine Kapelle, die ein dankbarer Bürger 2016 errichtet hat. Einfach, weil es ihm gut geht und er und seine Familie gesund sind. Die Aussicht auf die Ammergauer Alpen dort ist fantastisch! Und noch wichtiger: An dem Ort spürt man drei elementare Dinge; nämlich Liebe, Demut und Dankbarkeit.
Interview: Klaus Mergel