München – Manuel H. ist 39, verheiratet und Vater von zwei Kindern. Mit seiner Familie lebt er im Münchner Westen. Er ist Schreiner und seit einiger Zeit arbeitslos. Manuel H. war fast drei Jahre lang einer der meistgesuchten Männer Bayerns: Elf Bankfilialen soll er zwischen Mai 2016 und Dezember 2018 überfallen und dabei rund 200 000 Euro erbeutet haben. Am Dienstag nahm die Polizei den mutmaßlichen Serienräuber in Abwesenheit seiner Frau und Kinder in seiner Wohnung fest. Dass die Beamten der Präsidien Oberbayern Nord, München und Niederbayern den 39-Jährigen gemeinsam dingfest machen konnten, bezeichnet Hans-Peter Kammerer, Sprecher des Präsidiums Oberbayern Nord, als „riesigen Erfolg“. Denn, so Kammerer, „entscheidende Fehler hat der Verdächtige nicht gemacht“.
Seine Überfälle in München und den Kreisen Freising, Fürstenfeldbruck, Dachau, Erding, Pfaffenhofen und Landshut (siehe Kasten) liefen immer gleich ab: Am hellichten Tag marschierte H. in die Bankfiliale, drohte mit einer Waffe, ließ sich die Beute in einen Stoffbeutel packen. Dann entkam er mit dem Auto. Die beiden Fluchtfahrzeuge, ein schwarzer VW Passat Variant und ein weißer BMW Touring, brachten die Ermittler auf seine Spur. Dafür mussten sie akribisch arbeiten: 14 000 Fahrzeughalter kamen allein beim VW Passat infrage, beim BMW waren es 3000. „Es waren sehr aufwendige Ermittlungen“, sagt Thomas Weber, Leiter der Kriminalpolizei Erding. „Am Ende konnten wir den Kreis der möglichen Verdächtigen auf sechs reduzieren.“ Manuel H. war einer von ihnen. Eine Kleinigkeit wurde ihm zum Verhängnis: Bei seinem vorletzten Überfall in Uttenhofen (Kreis Pfaffenhofen) ließ er seine Waffe fallen, ein Plastikstück brach von der Verschlusskappe ab. Daran befanden sich DNA-Spuren, die zu H. gehören.
Dass die Waffe eine Softairwaffe und nur eine Nachbildung einer Walther PPQ ist, stellte sich bei der Durchsuchung der Wohnung heraus, die von Spezialkräften der Polizei begleitet wurde. Die Ermittler entdeckten dort neben der Waffe gestohlene Autokennzeichen, die Tatkleidung sowie 14 000 Euro Bargeld. Außerdem eine handschriftliche Liste mit 25 Banken, die der Verdächtige ausgespäht haben soll. „Wir können nicht ausschließen, dass er weitere Ziele ins Auge gefasst hatte“, so Kripo-Chef Weber.
Ob Manuel H. aus Geldsorgen zum Bankräuber wurde, wie die Ermittler vermuten, lässt sich noch nicht zweifelsfrei sagen. Weber: „Der Verdächtige spricht nicht mit uns. Er macht derzeit von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch und wird von einem Anwalt vertreten.“
H. wurde noch am Mittwoch in Erding dem Ermittlungsrichter vorgeführt, es erging Haftbefehl gegen den 39-Jährigen. Zuständig für die Strafverfolgung ist die Staatsanwaltschaft Landshut, wie Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch erklärt. Mindestens fünf Jahre Haft erwarten den Verdächtigen, der bereits 2010 wegen Betrug und Urkundenfälschung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, im Falle einer Verurteilung wegen schwerer räuberischer Erpressung. „Es könnten wegen der Anzahl der Fälle auch 15 Jahre werden“, so Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch.
Markus Wex erfüllt die Festnahme ein Stück weit mit Genugtuung. Der Filialleiter der VR-Bank in Hattenhofen (Kreis Fürstenfeldbruck) stand dem Räuber im April 2017 gegenüber. „Ganz ehrlich, ich bin erleichtert“, sagt der 44-Jährige. „Ich hatte nicht unbedingt befürchtet, dass er jetzt direkt wieder in meine Filiale kommt. Aber man denkt sich: Die müssen ihn doch bald mal kriegen.“ Genau das ist der Polizei mit vereinten Kräften am Dienstag gelungen.