Bayerns neuer Geschichtstempel öffnet im Juni

von Redaktion

Museum in Regensburg soll die Moderne ab 1800 verdeutlichen – Heißluftballon und Pickelhaube

München/Regensburg – Ein geschichtsträchtiger Heißluftballon, eine Pickelhaube, ein Rennrad – das und noch viel mehr wird ab 4. Juni dauerhaft in Regensburg zu sehen sein. An diesem Tag eröffnet das neue Museum für Bayerische Geschichte am Regensburger Donauufer.

Die Eröffnung kommt verspätet – eigentlich sollte der Museumsneubau ein glanzvoller Beitrag zum Jubiläum „100 Jahre Freistaat“ sein. Doch ein Brand, der zehn Millionen Euro Schaden anrichtete, machte die Planung des federführenden Hauses der Bayerischen Geschichte zunichte. Auch die Baukosten schnellten infolge des Infernos nach oben – auf 80 Millionen Euro. Nun aber „sind wir auf der Zielgeraden“, sagte Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU), der mit Museumschef Richard Loibl in München einen Einblick in die Konzeption des neuen Hauses gab.

Auf 34 Bühnen und 2500 Quadratmetern wollen die Museumsleute ein „Geschichtstheater“ erzählen – und zwar ganz bewusst die Geschichte des modernen Bayerns seit 1800. Ein gut 20-minütiger Videofilm, in dem BR-Moderator Christoph Süß in die Rollen historischer Figuren schlüpft, zeichnet die Jahre davor nach.

Seit Jahren schon sammelt das Haus der bayerischen Geschichte Exponate von Privatleuten. 1000 sollen es werden. Eines der ungewöhnlichsten Stücke dürfte ein Heißluftballon sein, mit dem DDR-Bürger bei Naila über die Grenze flohen. Weitere Exponate: ein großer Wandteppich, der einst im Plenum des Landtags hing; eine original weiße Fahne, die die Einwohner des Dorfes Unterdettelsau 1945 beim Einmarsch der Amerikaner als Kapitulations-Signal an den Kirchturm hängten (und dort vergaßen); sowie ein Rennrad von Franz Josef Strauß. Die Museumsleute erhielten es aus der Sammlung des legendären Münchner Fahrradhändlers Konrad Altmann, der seine Geschichte 2015 erstmals in unserer Strauß-Jubiläumsbeilage erzählt hat. All diese Ausstellungsstücke sind Aufhänger, um die Geschichte des modernen Bayerns zu erzählen. Dass sich auch die Politik etwas vom Museum erhofft, machte Wissenschaftsminister Sibler deutlich: Das Museum soll nach seinem Willen auch Ausdruck der bayerischen Eigenständigkeit sein.

Loibl hält den tristen Betonbau für ein „Wahrzeichen“ Regensburgs. Es werde jetzt schon häufig von Touristen fotografiert. Die Eintrittspreise stehen schon fest: Moderate fünf Euro für Erwachsene, vier Euro für Kinder und Studenten. Bis Ende Juni ist der Eintritt umsonst. Aus organisatorischen Gründen wird auch die traditionelle Landesausstellung („100 Schätze aus 1000 Jahren“) diesmal ins neue Museum verlegt. Sie öffnet am 27. September.

DIRK WALTER

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