Hausverbot für „Volkslehrer“

von Redaktion

Neonazi filmte an der KZ-Gedenkstätte – Jährlich zehn Fälle

Dachau – Die KZ-Gedenkstätte Dachau hat gegen den Berliner Rechtsextremisten Nikolai Nerling, der auf Youtube als „Der Volkslehrer“ auftritt, ein dauerhaftes Hausverbot erlassen. Das teilte die Pressestelle gestern mit. Es ist nicht das erste Mal, dass die Gedenkstätte zu so einem Mittel greift. Pro Jahr werde im Schnitt zehn Personen Hausverbot erteilt, weil sie sich beim Besuch der Gedenkstätte nicht angemessen verhalten hätten, sagte Pressesprecher Dominik Schenk. Zum Teil hätten sie rechtsextreme Parolen skandiert, zum Teil Kleidung getragen, die eindeutig rechtsextremen Bezug habe. In einigen Fällen werde das Hausverbot auch nur temporär verhängt.

Bei dem nun in Dachau auffällig gewordenen „Volkslehrer“ Nerling handelt es sich um einen besonders hartnäckigen Fall. Nerling ist erst seit 2018 in die Schlagzeilen geraten, weil der 38-Jährige Verschwörungstheorien verbreitete und gegen eine „Überfremdung“ der „weißen Nationalstaaten“ agitierte. Kürzlich entschied das Arbeitsgericht, dass der Mann zu Recht aus dem Schuldienst entlassen wurde – er hatte früher an einer Berliner Grundschule Englisch, Musik und Sport unterrichtet.

Am Montag besuchte er mit Begleitung die Dachauer KZ-Gedenkstätte, um „gegen den Schuldkult“ zu protestieren. Eine Referentin, die eine Schulklasse über das Gelände führte, erkannte prompt den Mann und verwies ihn des Geländes. Es entwickelte sich ein Streitgespräch, wobei sich die Schüler auf die Seite der Referentin schlugen, was auch Nerling in seinem Internet-Filmchen bestätigt. Offenbar verhöhnte Nerling auch eine Schülerin mit obszönen Bemerkungen. Dann verließ er das Gelände. Die Polizei habe ihn später aus einem MVV-Bus geholt und die Personalien aufgenommen, sagte der Leiter der Polizei Dachau, Thomas Rauscher. Ein Video, das auch Polizisten zeigte, löschte Nerling freiwillig.  dw/no

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