Razzia am Gymnasium Tegernsee

von Redaktion

Handys von Schülern beschlagnahmt – Schuldirektoren warnen vor WhatsApp-Klassenchats

München/Tegernsee – Ein besonders krasser Fall der missbräuchlichen Verwendung eines WhatsApp-Klassenchats am Gymnasium Tegernsee hat Polizei und Staatsanwaltschaft alarmiert. Vergangenen Freitag rückte die Polizei zur Schule an und beschlagnahmte eine nicht näher bekannte Anzahl Handys von Schülern des Abitur-Jahrgangs Q12. Unter Lehrern machen Gerüchte die Runde, höchstproblematisches Bildmaterial sei in eine WhatsApp-Klassengruppe gestellt worden. Polizei und Staatsanwaltschaft München II kommentieren das „aus ermittlungstaktischen Gründen“ nicht.

Die Q12 des Gymnasiums veröffentlichte eine Erklärung: „Bei dieser Verfehlung“ handele es sich „um die Tat Einzelner, von der wir uns hiermit in aller Deutlichkeit distanzieren“. Direktor Werner Oberholzner zeigt sich schockiert über den Fall – der trotz umfassender Medienerziehung an der Schule passiert sei. Die Eltern wurden in einem kurzen Schreiben informiert.

Dass Klassenchats ein Fall für die Justiz werden, ist extrem selten. Da es sich um die Q12 handelt, könnten auch bereits strafmündige Schüler zu den Tätern gehören.

Für Experten ist der Fall ein Anlass, einmal mehr auf das Gefährdungspotenzial von WhatsApp-Klassengruppen hinzuweisen. Jeder Schuldirektor sei damit konfrontiert, sagt Walter Baier, Leiter des Gymnasiums Bruckmühl (Kreis Rosenheim) und Vorsitzender der Bayerischen Direktorenvereinigung. „Es wird keine Schule geben, wo noch kein Fall aufgetreten ist.“

Das kann der Deggendorfer Schulleiter Heinz-Peter Meidinger nur bestätigen. „Das ist ein echtes Problem.“ Meist seien es Schüler aus der Mittelstufe, die einen Mitschüler mit obszönen Bildern, die mit Photoshop bearbeitet sind, gezielt bloßstellten. In der Regel fliege der Mobbingfall auf, wenn sich das Opfer an seine Eltern wende und diese wiederum an die Schulleitung. Was für Chatverläufe er da sehe, sei haarsträubend. Früher habe Mobbing nach Schulschluss geendet – und das Opfer zumindest eine Atempause gehabt. „Das Schlimme für das Opfer eines Klassenchats ist, dass das nach Schulschluss nicht aufhört“ – schließlich chatteten die Schüler gerade am Nachmittag und Abend fröhlich weiter.

In extremen Fällen verhängt Meidinger gegen die Haupttäter auch einen Direktoratsverweis mit Eintrag im Zeugnis. DIRK WALTER

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