München – Langsam verdichten sich die Anzeichen dafür, dass es im neunjährigen Gymnasium nicht mehr drei verpflichtende Abiturfächer geben wird. Bei einer nicht-öffentlichen Dialogveranstaltung im Kultusministerium mit Vertretern von Wissenschaft, Wirtschaft und Schulen herrschte Konsens, dass die Schüler künftig mehr Wahlmöglichkeiten und mehr Zeit für Vertiefung erhalten sollten, berichten Teilnehmer.
Im bisherigen G8 gibt es nicht viel Spielraum, um individuelle Akzente zu setzen. Mathematik, Deutsch und eine Fremdsprache als Pflicht-Abifächer sind gesetzt, nur zwei weitere Fächer dürfen die Schüler selbst wählen. Vor allem die Naturwissenschaften fallen dabei häufig weg.
Das soll sich ändern. Der Bayerische Philologenverband plädiert in einem Papier (wir berichteten) für zwei je fünfstündige Vertiefungsfächer analog zu den früheren Leistungskursen, die dann auch Abiturfächer sind. Zwei statt bisher drei also. Nach der Gesprächsrunde vom Mittwoch zeigte sich Verbandschef Michael Schwägerl „verhalten optimistisch, dass so etwas wie ein Vertiefungsfach kommen wird“. Auch Walter Baier, Chef der Bayerischen Direktorenvereinigung, hält Vertiefung für wichtig. „Ich bin überzeugt, dass das kommen muss.“ Viele Fragen seien dabei aber noch offen, etwa ob mehr Stunden dann auch mehr Inhalte bedeuten würden – was er ablehne. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) will 2019 „deutliche Fortschritte bei der Neukonzeption der Oberstufe“ – aber im „Dialog mit der Schulfamilie“. Man werde prüfen, wie Schülern eine verstärkte Profilbildung ermöglicht werden könne. Ein Endtermin nennt Piazolo noch nicht. Auch im Landtag stößt das auf Zustimmung. Die Grünen-Schulpolitikerin Gabriele Triebel plädiert für mehr Kernkompetenzen statt Detailwissen. Das G9 dürfe „nicht mehr so eingeschränkt sein wie das G8“. dw