Ein denkwürdiger Trauerzug

von Redaktion

Eisners Beerdigung war ein Ereignis – vielleicht sogar für Hitler

Der 26. Februar 1919 war in München kein Tag wie jeder andere. Die Arbeit ruhte, ein „Landestrauertag“ war angeordnet. Denn es wurde Kurt Eisner beigesetzt, der fünf Tage zuvor ermordete Ministerpräsident, der nun – wie sich rasch zeigte – mit Filmen und Postkarten zu einer Revolutions-Ikone verklärt wurde.

„Allgemeine Landestrauer ist angeordnet, die öffentlichen Gebäude müssen beflaggt werden – alle Behörden und Räte sollen dafür sorgen, von 10.00 – 10.30 Uhr müssen alle Glocken des Landes läuten“ – so schildert der Münchner Kardinal Michael von Faulhaber den Tag der Beisetzung von Kurt Eisner. „Hier sind die Kirchtürme schwarz beflaggt. Der Wind stürmt und heult um die Häuser. Der Zug geht von der Theresienwiese mit feierlicher Trauermusik, ein langer Zug durch die Nußbaumstraße zum Ostfriedhof. Eine große Trauerschießerei setzt ein“, heißt es weiter. In der Tat: Es wurde ein pompöser Trauerzug, wohl über hunderttausend Menschen säumten die Straßen. Auch wenn manche aus bloßer Schaulust kamen, zeigt die Beteiligung wohl doch, dass der zu Lebzeiten mehr und mehr angefeindete Revolutionär einige Popularität genoss.

Die Arbeitsruhe ermöglichte zum Beispiel auch den Bergarbeitern aus Penzberg und Peißenberg die Teilnahme. Ihr Erscheinen in der traditionellen Bergarbeiterkluft war ein attraktives Motiv für die Fotografen. Ein Film lief damals, schon einen Tag nach der Beisetzung, in den Münchner Kinos. Vor einigen Jahren tauchte in den Arbeiten von Karl Georg Reuth und Thomas Weber die Spekulation auf, auch Hitler sei damals am Rand des Trauerzugs dabei gewesen. Einziger Beleg dafür ist ein unscharfes Foto. Die Historiker verbanden ihren angeblichen Fund mit der weitreichenden Vermutung, Hitler habe damals mit der Linken sympathisiert. Andere Historiker halten das für eine unhaltbare Spekulation.

So oder so – der 26. Februar 1919 war ein denkwürdiger Tag. DIRK WALTER

Hinweis

Der Film ist abrufbar über www.bavarikon.de

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