von Redaktion

Diese oberbayerische Band ist eine Sensation. Die Burschen von Pam Pam Ida schauen aus wie direkt aus den Achtzigerjahren in den Freistaat gebeamt. Sie singen Bairisch und ihre ersten Konzerte waren ausverkauft, bevor es die Band überhaupt gab. Ihr Weg in die Herzen der Fans hat gerade erst begonnnen.

VON KATRIN HILDEBRAND

Und plötzlich waren sie bayernweit bekannt. Sechs Herren aus Sandersdorf, einem winzigen oberbayerischen Dorf im Altmühltal. Das war im Herbst 2015. Damals erkor BR-Moderator Matthias Matuschik den Song „Gockl“ von Pam Pam Ida zu seinem Liebling der Woche. Was vielen so gut gefiel? Da spielt eine Band eine lässige Folknummer, kombiniert sie mit Streichern – und bairischen Texten. Eineinhalb Monate später haben die Hörer den Wochenliebling rückwirkend zum Liebling des Jahres gewählt. Es war die erste bayerische Band, die das schaffte.

Ganz so rasant, wie es damals den Anschein hatte, waren Pam Pam Ida allerdings nicht über die Musikwelt hereingebrochen. „So ein Erfolg kommt nie plötzlich“, sagt Schlagzeuger Julian Menz. „Unsere Karriere ist schon gut zehn Jahre davor angelaufen.“ Drummer Menz, Sänger und Songwriter Andreas Eckert sowie Gitarrist Thomas Thumann, immerhin ein Drittel von Pam Pam Ida, musizieren schon seit dem Teenageralter miteinander. Zunächst in einer Coverband, später in einer von der Biermösl Blosn und Georg Ringsgwandl beeinflussten Klaumaukcombo namens Edelschweiß. Auch als Ludwig Two traten sie auf, Musikrichtung Indie und englischsprachiger Rock. Sie spielten im Münchner Schlachthof und im Strom. Mal unter dem einen, mal unter dem anderen Namen. Die Idee, irgendwann eine Band wie Pam Pam Ida zu gründen, geisterte während all dieser Jahre durch die Köpfe der Musiker.

Der Bandname, kein Scherz, entstand quasi im Schlaf. Julian Menz, der nach eigenen Angaben sehr plastisch träumt, schlüpfte eines Nachts in die Rolle eines verrückten Wissenschaftlers. Wie ein Mantra murmelte dieser die Buchstabenfolge „Isinam pam pam ida“ vor sich hin – bis ihm ein Student die Kehle durchschnitt. Danach wachte Menz auf: „Und ich hatte immer noch dieses Mantra im Kopf.“

Die Geschichte ist ein gutes Beispiel für den verqueren Humor der Band, ihre Kreativität und die selbstironische Attitüde. Für Konzerte etwa haben sie sich Rollen zugelegt und so etwas wie Bühnenfiguren entwickelt. „Wir ziehen uns was Bläds an und führen schön durch das Programm“, sagt Menz. „Es ist uns nämlich sehr wichtig, dass wir keine Poser san.“ Und Andreas Eckert fügt hinzu: „Bei Ludwig Two haben wir das mit dem Posen schon versucht, bis wir merkten, eine Englisch singende Band mit bayerischen Witzen kommt komisch rüber.“

Umso besser passt es nun zu den Mundartgags, dass sie als Pam Pam Ida nur noch Bairisch singen. Früher wäre das für die Musiker undenkbar gewesen. „Dann aber fühlte sich Bairisch auf einmal gut an“, sagt Andreas Eckert. Obwohl Pam Pam Ida viel Sinn für Humor haben, handelt es sich nicht um eine Spaßcombo. Das Sextett, Alter zwischen 25 und 45, spielt im besten Sinne Pop und beherrscht ein großes Spektrum: flockige Akustiknummern und Balladen ebenso wie synthiebasierte Midtemposongs, Dance-Grooves ebenso wie kammermusikalische Grandezza. Stilistisch wildern sie beim Reggae, beim Folk, beim Funk sowie beim fluffigen Sound der Achtziger. Das klingt gerne mal grundverschieden. Einzige Konstanten: das Bairische, die Streicher und die Abgründe, die sich hinter den seifigen, lässigen und träumerischen Popfassaden auftun.

Im Januar ist ihr neues Album „Sauber“ erschienen. „Das Konzept war“, sagt Sänger Andreas Eckert, „das Leben in seiner Vielfalt abzubilden. Es geht um Liebe, Streit, Einkaufen, Autofahren, alt werden und einen gewissen Weltverdruss.“

Obwohl die Stücke oft opulent arrangiert sind, entstehen sie unter spartanischen Bedingungen nachts am PC. Dort sitzt Andreas Eckert ganz alleine und entwickelt seine Ideen. Er lebt wieder in Sandersdorf, der offiziellen Heimatgemeinde der Band. Nach dem Studium der Klavierpädagogik in Regensburg zog er aus finanziellen Gründen wieder bei den Eltern ein. Das ist einerseits ein bisschen unangenehm, beschert dem Texter und Songwriter jedoch auch einen Luxus, über den viele Kreative nicht verfügen. „Als Musiker braucht man viel Zeit“, erklärt er. „Viel Zeit, mal nichts zu machen, Zeit für Kreativität.“

Im gewissen Sinne wurde in den Nächten, die Eckert alleine am PC verbrachte, auch Pam Pam Ida geboren. 2015 drängten die im stillen Kämmerlein komponierten Popsongs nach draußen. Und so ging der Komponist mit ein paar Freunden – oder wie Schlagzeuger Julian Menz es formuliert: „Mit dene, die halt grad da waren“ – ins Studio und spielte „Gockl“ ein.

Das Video dazu entstand ähnlich improvisiert in einer einzigen fünfminütigen Einstellung. Als „Gockl“ zum Überraschungshit wurde, gab es ein Problem: Pam Pam Ida war eine Idee, aber noch keine wirkliche Band. Es dauerte über ein Jahr, bis sie ihr erstes Konzert gab. Und obwohl sich die Gruppe zunächst finden musste, waren sämtliche Konzerte ausverkauft, noch bevor sie überhaupt jemals live gespielt hatte. Ein solches Szenario ist bei Boybands üblich, von sechs gestandenen bayerischen Musikern würde man es nicht erwarten.

Das Thema Bayern ist überhaupt so a Sach. Pam Pam Ida singen zwar Mundart, das aber macht sie nicht zu Brauchtumspflegern. „Wir singen halt Bairisch, aber eigentlich ist es Weltmusik“, sagt Andreas Eckert. Vom Bairisch-Trend profitieren sie trotzdem, wenn auch mit gemischten Gefühlen. „Es is schee, Aufmerksamkeit zu kriegen, aber wenn ich an zukünftige Auftritte in großen Hallen denke, das beängstigt mich a weng.“

Je berühmter man ist, desto ungemütlicher wird’s. Doch wenn man klein bleibt, bleibt man bettelarm. Das ist die Dialektik des Erfolgs. Bei jeder Band. Manchmal bringt die Popularität auch Ärger im Bekanntenkreis. Pam Pam Ida texten nämlich nicht nur rotzfrech und originell, sie gestalten auch ihre Videos gerne fantasievoll und mitunter, sagen wir mal, freizügig.

Zu „Vielleicht“ vom Debütalbum „Optimist“ ließ sich die Gruppe von der deftigen Ruhrpott-Komödie „Fußball ist unser Leben“ inspirieren. Das Ergebnis war dementsprechend. Das Video zeigt Menschen beim Nasenbohren, auf der Toilette und beim wenig ansprechenden Rumpelsex. „Zufällig traf ich im Schwimmbad unsere Nachbarin“, erzählt Andreas Eckert. „Und sie war ganz entsetzt über das Video. Ich meinte nur: ,Aber Resi, wie hast du denn deine Kinder gemacht?‘“

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