Der Schwarze Einser – das klingt irgendwie verwegen, nach dem Tarnnamen eines Piraten vielleicht. Doch gemeint ist „nur“ ein Papierschnipsel, ein ziemlich alter allerdings: Tatsächlich können sich die Bayern nicht nur rühmen, die schönsten Schlösser, Berge und Seen ihr Eigen zu nennen, sowie (das ist allerdings Ansichtssache) die beste Regierung. Sondern sie haben auch die Briefmarke erfunden. Zumindest in Deutschland.
Der Schwarze Einser war am 1. November 1849 die erste Briefmarke in Deutschland. Sie kostete einen Kreuzer. Nun brachte das in Baden-Württemberg beheimatete Auktionshaus von Christoph Gärtner den Schwarzen Einser zurück in seine Heimat. Und nicht nur eine Marke, nein, einen sogenannten Doppel-Bogen, der so nur einmal erhalten ist. 90 Stück ungestempelte Briefmarken-Geschichte wurden gerade auf der Internationalen Briefmarkenbörse im MOC ausgestellt.
Gärtner, 54, ist ein versierter Philatelist, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Der Bogen gehört nicht ihm, sondern einem deutschen Unternehmer, der den Kauf der Schwarzen Einser – so ist rauszuhören – wohl eher als Wertanlage denn aus Leidenschaft betrieben hat. Geschätzt 750 000 Euro könnte der Briefmarken-Bogen wert sein, sagt Gärtner.
Bei einer Startauflage von 832 500 Stück sind bei Sammlern bis heute nicht gerade wenige Schwarze Einser im Umlauf. Eine ungestempelte Marke kostet zwischen 500 und 1000 Euro, gestempelt ist sie mehr wert – bis zu 2000 Euro. Doch Briefmarkensammeln ist hierzulande nicht gerade en vogue. In Asien sei das anders, erzählt Gärtner. Da wird das Sammeln der bunten Marken gerade entdeckt. Durchschnittsalter der Sammler: 35 Jahre. In Deutschland: 65 plus, schätzt der Auktionator und fügt zivilisationskritisch hinzu: „Leider haben die Jugendlichen heute ja meist nur ihr Handy in der Hand.“
Aber dass man mit Briefmarken reich werden kann, ohne selbst sammeln zu müssen, das hat vor einigen Jahren ein Kneipenbesitzer aus Hannover bewiesen. Er hat bei der TV-Sendung „Wer wird Millionär?“ eine Million Euro abgeräumt. Das war die allerletzte Frage, die er beantworten musste: „Wie heißt die erste deutsche Briefmarke, die 1849 in Bayern herausgegeben wurde? A: Schwarzer Einser, B: Roter Zweier, C: Gelber Dreier, D: Blauer Vierer.“ DIRK WALTER