Fortschritt oder Symbolpolitik?

von Redaktion

Kritik an Schulzes Forderung nach leichteren Wolfs-Abschüssen

München/Berlin – Die Vorschläge von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) zum vereinfachten Abschuss von Wölfen kommen bei Jägern und Viehhaltern nur teilweise gut an. Sie forderten am Montag, den Wolf aus bestimmten Gebieten komplett fernzuhalten und seine Zahl in anderen Regionen über eine Obergrenze zu beschränken. Aber auch Naturschützer wünschen sich mehr, als die Umweltministerin vorgeschlagen hatte.

Das Agrarministerium von Julia Klöckner (CDU) teilte mit, man habe schon weitergehende Maßnahmen zum Herdenschutz besprochen als das, was Schulze am Wochenende bekannt gemacht habe. Es gehe darum, über „Bestandsregulierung“ auch vorbeugend weitere Schäden zu verhindern.

Schulze will den Abschuss von Wölfen künftig erlauben, wenn sie „ernsten“ landwirtschaftlichen Schaden anrichten, etwa, indem sie Schafe reißen. Bisher ist im Naturschutzgesetz von „erheblichen“ Schäden die Rede, was nach Darstellung des Umweltministeriums „existenzbedrohend“ meint. Wölfe sind in Deutschland streng geschützt. Bisher gab es nur einige wenige Abschussgenehmigungen für auffällig gewordene Tiere.

Der Deutsche Jagdverband forderte ein umfassendes Konzept für den Umgang mit dem Wolf. Nötig seien „Ausschlussgebiete“ etwa in Städten und an Deichen, in denen Ansiedlung und Fortpflanzung von Rudeln nicht toleriert werden dürften. Naturparke oder Truppenübungsplätze kämen als Wolfsschutzgebiete infrage. Der Großteil Deutschlands wären „Managementzonen“, für die die Länder akzeptable Bestände festlegen müssten. Dort müssten dann auch vorsorgliche Jagden möglich sein. Auch dem Bauernverband reichen Schulzes Pläne nicht aus. Es müssten zwingend weitere Schritte folgen, sagte der stellvertretende Generalsekretär, Udo Hemmerling. Nötig sei „eine nationale numerische Grenze“, die auch regional eingehalten werden solle.

Kritik gab es aber auch von Naturschützern und den Grünen. Parteichef Robert Habeck warf Schulze Symbolpolitik vor. Bund und Länder seien sich bereits einig, dass Wölfe geschossen werden dürften, die sich nicht artgerecht verhalten und zweimal einen Herdenzaun überwunden haben. Der Nabu forderte zusätzliche Hilfen für Schäfer. Spezielle Schutzhunde oder Zäune können zu 100 Prozent gefördert werden, sagte Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Man erwarte eine „umfassende Initiative“ für den Herdenschutz von Agrarministerin Klöckner.  dpa

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