Der Brocken steht im Lexikon, der Kotzbrocken nicht. Ersterer hebt im Harz seinen Granit-Schädel auf stolze 1142 Meter, der zweite ist in zahllosen Exemplaren über die ganze Erde verstreut. Auch er reckt seinen Schädel in die Höhe, aber bloß, um arrogant auf den Rest der Welt herabschauen zu können.
Darum gleich einmal voraus: Kotzbrocken, du kotzt uns an! Man kann den Kotzbrocken ohne weiteres als charakterliche Fehlkonstruktion bezeichnen. Seine Gesichtszüge gleichen oftmals der Eigernordwand bei Sauwetter, sein Kinn erinnert an Benito Mussolini, seine hochgereckte Nase verrät elitären Dünkel. Die Ellbogen hält er meist abgespreizt, um sich immer und überall Durchlass zu verschaffen, ein typisches Beispiel der Ellbogengesellschaft eben. Den Kotzbrocken gibt es in allen Gesellschaftsschichten. Besonders unangenehm ist er natürlich in führender Position: weil er da seine Kotzbrocken flächendeckend verteilen kann, ohne Gefahr zu laufen, dass sie ihm sofort zurückgeschleudert werden. Auch niedere Dienstränge können natürlich ihre miesen Instinkte als Mobbing-Spezialisten voll ausleben. Auch im Alltag begegnen uns diese Typen immer wieder. Obwohl wir ihnen die Tür aufhalten, knallen sie uns diese dann zum Dank vor der Nase zu; sie drängeln sich vor uns auf die Rolltreppen und steigen uns dabei ungeniert auf die Zehen, drängen in die haltende S-Bahn und hindern uns am Aussteigen. Der Kotzbrocken glaubt eben, die Welt gehöre ihm, alles habe nach seiner Pfeife zu tanzen.
Seine Karriere beginnt bereits im zarten Alter. Er schikaniert seine Geschwister, verpetzt Mitschüler, denkt gar nicht daran, seinen Platz zu räumen, wenn eine gehbehinderte alte Dame neben ihm in der Straßenbahn steht. Vielmehr grinst er ihr frech ins Gesicht und klebt seinen Kaugummi unter die Sitzbank. Leider gibt es weder in der Volkshochschule noch sonstwo Kurse oder Therapien, in denen Kotzbrocken zerbröselt, umgepolt und resozialisiert werden könnten. Und wenn schon: Freiwillig würde daran wohl keiner teilnehmen. Man müsste sie praktisch mit Kranladern einsammeln und zur Umschulung karren. Soll man es also lieber mit Geduld, Nachsicht und gutem Beispiel versuchen?
Reden wir von gestern: Da saß ein Ehepaar an einem Wirtshaustisch mit vier Plätzen. Ein fesches Fräulein nahte, fragte höflich, ob der Stuhl frei sei, setzte sich. Nach ein paar Minuten tauchte ihr Begleiter auf. Er warf seine Zigarettenschachtel mit Feuerzeug auf den Tisch und nahm, ohne zu grüßen und zu fragen, Platz. Trotzdem ließ die Ehefrau Gnade vor Recht ergehen und sagte „eine gute Wahl“, als er Lammkeule mit Gemüse bestellte, die sie gerade vorher gegessen hatte. Keine Antwort. Aber auch Kotzbrocken müssen mal. Als der Kerl das Häuschen suchte, sagte der Ehemann zu seiner Frau: „Das nette Fräulein an unserm Tisch ist zu bedauern. Verdient doch keinen solchen Kotzbrocken! So ungehobelt, wie der mit uns umspringt, wird er wohl nach einiger Zeit auch mit ihr verfahren. Schade, schade.“ Das Fräulein blickte die beiden ziemlich gequält an. Als er nach seiner Rückkehr weiter auf sie einschnöselte, spielte sie immerhin die Wortkarge. Vielleicht gelingt es ja der jungen Dame doch noch, diesen ausgewiesenen Kotzbrocken aus ihrer Beziehungskiste zu kippen.
An dieser Stelle schreibt unser Turmschreiber