Bienen-Tod: Rasenroboter „völlig irrelevant“

von Redaktion

Ursachenforschung am Runden Tisch: Im Ringen um mehr Artenvielfalt im Freistaat lassen sich Volksbegehren-Gegner und Befürworter von Wissenschaftlern über den Ist-Zustand in Bayerns Flora und Fauna unterrichten. Die Botschaft der Forscher: Es gibt noch viel zu tun.

VON DOMINIK GÖTTLER

München – Es wirkte ein wenig wie ein Projektseminar in der Oberstufe, als der Runde Tisch zum Artenschutz am Freitag zur Fachtagung im Maximilianeum zusammentraf. Die Revoluzzer kommen zu spät (Volksbegehren-Initiatoren Ludwig Hartmann, Agnes Becker), die Coolen schlendern durch die Gänge und schütteln Hände (einige Abgeordnete der CSU- und FW-Fraktionen) und der Oberstudienrat doziert über die Verantwortung, die aus der Verfassung erwächst (Alois Glück). Und damit alle auf demselben Wissensstand über das gemeinsame Projekt sind, halten ein paar kluge Köpfe ein Fachreferat.

Doch bei aller Gelassenheit, mit der die Teilnehmer den Tag einleiteten: Der Weg zu einem neuen Naturschutzgesetz ist weiter umstritten. Welche Ergebnisse Glück in drei Wochen an Ministerpräsident Markus Söder übergeben wird? Völlig offen. Hier kommt es auf die Arbeit der Fachgruppen ab nächster Woche an. „Dafür brauchen wir eine gemeinsame fachliche Grundlage“, glaubt Alois Glück. Deshalb das tagesfüllende Symposium am Freitag.

Die Diskussionsgrundlage zum Thema Biodiversität lieferte Gerhard Haszprunar, Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns. Er stellte unumwunden klar, wo aus Sicht der Forschung die Ursachen für den Artenverlust liegt: „Es gibt keine Zweifel mehr, dass die Hauptursache die intensive Agrarindustrie ist“ – zu der er explizit nicht Klein-, Bio- und Bergbauern zählte. Darüber hinaus nannte der Zoologe die Flächenversiegelung und die Lichtverschmutzung als weitere wichtige, aber untergeordnete Treiber. Die im Zusammenhang immer wieder geforderten Artenschutz-Maßnahmen für Privatgärtner seien zwar zu begrüßen – „aber für die Gesamtfläche ist der Rasenroboter völlig irrelevant“. Hier schlügen der flächendeckende Herbizid- und Pestizideinsatz, die Überdüngung und das Ausräumen der Landschaft viel kräftiger durch. Wenn man hier etwas ändern wolle, komme man um Verpflichtungen nicht herum, sagte Haszprunar, sprach sich aber gleichzeitig für gezielte Förderung statt Strafen aus.

Eine gewisse Fehlentwicklung in diesem Bereich konstatierte auch eine weitere Koryphäe aus der Wissenschaft, der Agrarökonom Alois Heißenhuber (TU München), der etwa zur nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raums forscht. „Wir haben in der Landwirtschaft den Fokus in den letzten Jahrzehnten stark auf die Effizienz-Steigerung gelegt und die Nebenwirkungen zu wenig beachtet“, sagte er. Gleichzeitig rechnete er vor, wie viel teurer es für Landwirte ist, kleinteilig und damit artenfreundlicher zu wirtschaften. „Entweder wir bezahlen dieses System, oder es wird nicht überleben“, folgerte der Ökonom. Er warnte auch davor, den Fokus künftig ausschließlich auf den Bio-Landbau zu legen. Trotz aller Anreize werde die konventionelle Landwirtschaft auch in Zukunft den Großteil der Flächen ausmachen. Ziel müsse deshalb eine „nachhaltige Intensivierung“ sein.

Nachhaltig intensivieren müssen die Teilnehmer des Runden Tisches ihre Bemühungen für einen praktikablen Artenschutz dann in den Fachgruppen, auf die Glück auch alle inhaltlichen Fragen zu dem Gesetzentwurf aus dem Volksbegehren vertagte. Am Ende liegt es dann an Markus Söder, welchen Vorschlag er dem Landtag zum Umgang mit den Änderungen im Naturschutzgesetz unterbreitet. Ablehnung samt Gegenvorschlag für einen Volksentscheid? Oder trimmt er seine Regierungsfraktionen doch darauf, den bestehenden Vorschlag anzunehmen und im Nachgang bei strittigen Punkten wie dem Walzzeitpunkt nachzujustieren? Aber darauf haben die Teilnehmer des Projektseminars am Runden Tisch nur noch bedingt Einfluss.

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