München – Die Lehrkräfte in Bayern fühlen sich beim Thema Inklusion nach Einschätzung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) alleingelassen. Die Schulen im Freistaat seien weder personell noch räumlich ausreichend auf Kinder mit Förderbedarf vorbereitet, sagte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann laut einer Mitteilung am Montag zur Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention vor zehn Jahren. „Kein Wunder, dass die sich daraus ergebenden Probleme als immense Belastung erlebt werden, obwohl Wille und Motivation bei den meisten Lehrkräften immer noch groß sind“, betonte Fleischmann.
Die BLLV-Chefin forderte Unterstützung für die Lehrkräfte durch multiprofessionelle Teams. Im Freistaat gebe es aktuell rund 76 800 Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf – mehr als 52 000 besuchten ein Förderzentrum, knapp 25 000 jedoch eine Regelschule. 67 Prozent davon besuchten Grundschulen, 29 Prozent die Mittelschule und je zwei Prozent eine Realschule oder ein Gymnasium. „Das sind insgesamt rund 8000 mehr als noch vor zehn Jahren“, sagte Fleischmann. Doch trotz dieser steigenden Tendenz passiere in Sachen Inklusion zu wenig, um Lehrer nachhaltig zu entlasten, kritisierte sie.
Auffällig sei außerdem, dass die Inklusion an weiterführenden Schulen fast ausschließlich im Mittelschulbereich stattfinde. In einem inklusiven Bildungssystem müsse die Inklusion aber im gesamten Bildungsverlauf verankert sein, sagte Fleischmann. Eine erfolgreiche Umsetzung der Inklusion könne nur durch Austausch, Kooperation und Kommunikation der Lehrkräfte untereinander und mit anderen Fachkräften gelingen. Dies ist laut Fleischmann nicht zum Nulltarif zu haben. Nach Berechnungen des BLLV benötige man dafür rund 1900 zusätzliche Stellen in ganz Bayern – und die würden etwa 134 Millionen Euro kosten. epd